Seit Beginn des Jahres sind in Griechenland fast 50 Prozent mehr Migranten angekommen als im gleichen Vorjahreszeitraum. Die Internationale Organisation für Migration (IOM), eine Organisation der Vereinten Nationen, registrierte bis zum 18. September 32.767 Migranten. Bis zum selben Datum des vergangenen Jahres waren es 22.261 Menschen, wie die Organisation mitteilte.

In Italien sind demnach mit 6.570 Menschen dreimal weniger Migranten angekommen als im vergangenen Jahr. In Spanien waren es mit fast 17.000 deutlich mehr, aber nur halb so viele wie im selben Zeitraum 2018. Insgesamt kamen in den europäischen Mittelmeerländern in diesem Jahr mit knapp 60.000 Menschen etwa 20 Prozent weniger Migranten an als im gleichen Zeitraum des vergangenen Jahres. Auch die Zahl der Todesopfer ist deutlich zurückgegangen: von mehr als 1.800 auf 953 bis zum 18. September dieses Jahres

Die IOM erfasst bei ihrer Zählung sowohl Flüchtlinge als auch Menschen, die aus anderen Stücken migrieren. Migranten sind nach ihrer Definition alle Menschen, die ihren Wohnort verlassen, unabhängig davon, ob sie es freiwillig oder unfreiwillig tun, aus welchen Gründen sie migrieren oder wie lange ihr Auslandsaufenthalt dauert. Flüchtlinge dagegen suchen Schutz vor Krieg oder drohender Verfolgung. Damit sind Flüchtlinge auch Migranten, aber nicht alle Migranten Flüchtlinge. So sind beispielsweise Arbeitsmigranten ebenfalls in den von der IOM veröffentlichten Zahlen vertreten.

11.000 Menschen in einem Lager

Vor allem die Lage der Geflüchteten in Griechenland ist aufgrund der gestiegenen Zahlen schwierig. So trat kürzlich der Direktor des größten griechischen Flüchtlingsauffangzentrums Moria auf der Insel Lesbos zurück. Menschenrechtler und das Uno-Flüchtlingshilfswerk UNHCR haben im Sommer auf die Überbelegung der griechischen Lager hingewiesen. So sind im August 8.100 Menschen aus der Türkei nach Griechenland gekommen, im Vorjahresmonat waren es 3.200. Das Lager Moria ist mit 11.000 Menschen hoffnungslos überbelegt – eigentlich ist es auf 3.000 Menschen ausgerichtet. Die schwierigen hygienischen Zustände und die mangelnde Versorgung haben bereits mehrfach zu Ausschreitungen geführt.

Insgesamt saßen im August 24.000 Menschen in den griechischen Lagern fest, 40 Prozent von ihnen sind nach UN-Angaben minderjährig. Während die EU-Kommission die griechische Regierung dazu aufgefordert hat, mehr Rückführungen in die Türkei durchzusetzen, drohte erst kürzlich der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan mit einer Grenzöffnung, weil die EU nicht alle vereinbarten Finanzhilfen für die Unterbringung syrischer Flüchtlinge in der Türkei bereitgestellt habe.