Die Menschenrechtsorganisation Pro Asyl hat von der EU mehr Engagement gefordert, um die Situation für Geflüchtete auf den griechischen Inseln zu verbessern. Die griechische Regierung müsse unterstützt werden. Die Rechtsansprüche der Menschen auf Schutz seien zu wahren, sagte Pro-Asyl-Geschäftsführer Günter Burkhardt. "Flüchtlinge in der Ägäis drohen zum Spielball der Machtinteressen der Türkei, Griechenlands und der EU-Staaten zu werden." 

Die Zahl der Menschen, die derzeit auf griechischen Inseln ausharren, ist der griechischen Polizei zufolge in den vergangenen Wochen auf mehr als 24.000 gestiegen, 40 Prozent davon sind nach UN-Angaben minderjährig. Dem Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen (UNHCR) zufolge sind im August dieses Jahres mehr als 8.100 Menschen aus der Türkei nach Griechenland gekommen. Im Vorjahresmonat waren es weniger als 3.200.

Pro Asyl forderte die EU auf, die Schutzsuchenden aufzunehmen und ihnen den Zugang zu einem fairen Asylverfahren innerhalb der Europäischen Union zu ermöglichen. Und die Organisation warnte vor strengeren Regeln im Asylrecht: Eine Abschiebung in die Türkei könne eine Kettenabschiebung in die Herkunftsländer nach sich ziehen. Die Türkei habe die Genfer Flüchtlingskonvention nur mit geografischem Vorbehalt ratifiziert und biete für afghanische und syrische Flüchtlinge keinen Schutz.

Auch der Migrationsforscher und Politikberater Gerald Knaus warnt vor einem Scheitern des EU-Türkei-Abkommens – Knaus hat dieses Abkommen 2016 mitentwickelt. In Gefahr sei das es nun wegen der Situation auf den griechischen Inseln. Knaus forderte einen Plan zur Unterstützung der griechischen Behörden: Es sei entscheidend, dass Asylanträge innerhalb weniger Wochen bearbeitet und Migranten dann zeitnah zurück in die Türkei geschickt würden. Unterstützend solle etwa das Bundesamt für Migration (Bamf) wirken.

Das Abkommen sieht vor, dass Migranten und Migrantinnen, die illegal nach Griechenland übersetzen, zurück in die Türkei geschickt werden können. Im Gegenzug wollte die EU der Türkei bis zu 72.000 syrische Flüchtlinge abnehmen.

Allerdings fügte Knaus an, dass die Zahl der Ankommenden noch weit unter der vom März 2016 liege: "Wir haben es mit einem Wachstum zu tun, und das ist ein ernstes Zeichen. Aber die Situation ist noch nicht außer Kontrolle."