Bei einer Konfrontation mit Demonstrierenden in Haiti hat ein Senator vor dem Parlamentsgebäude mit einer Handfeuerwaffe geschossen und zwei Menschen verletzt. Bei den angeschossenen Personen handelte es sich Medienberichten zufolge aber nicht um Demonstrierende. Einer soll ein Fotograf der Nachrichtenagentur AP sein. Demnach wurde er wohl von einem Kugelsplitter in den Kiefer getroffen. Zudem wurde auch ein Sicherheitsmann des Senats von einer Kugel im Bauch getroffen. Beide Männer sind nicht in Lebensgefahr.

Der Senator Jean Marie Ralph Féthière gehört der Regierungspartei PHTK an, die zuvor erfolglos versucht hatte, den Wunschkandidaten von Staatschef Jovenel Moïse, Fritz-William Michel, als kommissarischen Regierungschef zu bestätigen. Hunderte Unterstützer der Opposition warfen vor allem Féthière vor, seine Stimme zugunsten von Michel zu verkaufen. Als einige Demonstrierende auf den Senator und Mitglieder seiner Entourage zustürmten, zückte er seine Pistole und feuerte. 

Dem Radiosender Signal FM sagte Féthière später, dass er aus Angst um sein Leben geschossen habe. Er sprach von einem "gerechten Akt der Selbstverteidigung". Bewaffnete hätten versucht, ihn aus seinem Auto zu zerren.

Das Votum über Michel wurde letztlich abgesagt – es ist bereits der zweite gescheiterte Versuch, ihn zu bestätigen, nachdem das Unterhaus seine Nominierung gebilligt hatte. Sein Vorgänger Jean-Michel Lapin war ebenfalls nicht vom Parlament bestätigt worden. Michel ist bereits der vierte Premierminister unter Moïse, der erst seit Februar 2017 Staatschef ist. Gegen seine Regierung fanden am Montag in Haiti Demonstrationen mit Barrikaden aus brennenden Autoreifen statt.

Im Februar waren bei Protesten gegen die Regierung Dutzende Menschen ums Leben gekommen. Auch im Juni kam es zu schweren Krawallen. Die Opposition stemmt sich gegen die Bildung einer neuen Regierung, um Moïse aus dem Amt zu drängen. Sie werfen der Regierung vor, Geld aus dem Petrocaribe-Programm veruntreut zu haben, über das Haiti jahrelang Erdöllieferungen aus Venezuela zu günstigen Konditionen erhalten hatte. Wegen Treibstoffmangels hatten Demonstrierende vergangene Woche zeitweise die Hauptstadt Port-au-Prince lahmgelegt.