In der Nacht zum Mittwoch ist es in Hongkong zu neuen Zusammenstößen zwischen Polizei und Demonstranten gekommen. Die Polizei habe den Platz vor der Polizeiwache Mong Kok geräumt und in der Metrostation Prince Edward eine Festnahme durchgeführt, berichtet der staatlich finanzierte Sender RTHK. Bei beiden Einsätzen wurde Pfefferspray eingesetzt.

In den vergangenen Wochen war es wiederholt zu gewaltsamen Zwischenfällen gekommen. Dabei hatte die Hongkonger Polizei unter anderem Gummigeschosse, Tränengas und Wasserwerfer gegen die Demonstrierenden eingesetzt.

Am Wochenende war es erneut zu Ausschreitungen gekommen, als Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Proteste Barrikaden in Brand gesetzt und Gegenstände und Molotowcocktails auf Polizisten geworfen hatten. Nach Berichten lokaler Medien hatte ein Polizist einen Schuss seiner Dienstwaffe abgegeben. Zahlreiche Demonstranten schützen sich mit Helmen und Gasmasken gegen Wasserwerfer und Tränengas der Polizei.

Druck auf Kanzlerin Merkel vor Chinareise

Die Demonstrationen in Hongkong dauern seit über drei Monaten an. Auslöser war ein Auslieferungsgesetz, das die Überstellung von Verdächtigen an China vorsah. Der Gesetzentwurf wurde inzwischen auf Eis gelegt. Die Proteste richten sich nun vor allem gegen die prochinesische Regierung von Honkongs Regierungschefin Carrie Lam.

Zuletzt hatten die Aktivisten in einem offenen Brief um die Unterstützung von Bundeskanzlerin Angela Merkel gebeten. "Wir wünschen uns, dass Sie den Mut und die Entschlossenheit gegen autoritäre Unrechtsregime zeigen, der Deutschland und Europa vor dem Ende des Kalten Krieges inspiriert hat und den Europa heute zeigt", zitiert die Bild-Zeitung aus dem Schreiben, das ihr nach eigenen Angaben vorliegt. Demnach wurde es von Hongkonger Aktivisten um Joshua Wong unterzeichnet.

Merkel erreichte der Brief kurz vor ihrer dreitägigen Chinareise. Auch SPD und Grüne hatten der Kanzlerin Druck gemacht. Sie müsse klarmachen, dass eine gewaltsame Niederschlagung der Proteste durch Sicherheitskräfte aus Hongkong oder vom chinesischen Festland nicht akzeptabel sei, sagte Nils Schmid, außenpolitischer Sprecher der SPD, der Welt. Grünenchefin Annalena Baerbock forderte in der Rheinischen Post, Merkel müsse klarmachen, dass Chinas Druck auf die Politik in der Sonderverwaltungszone Folgen für die wirtschaftliche Kooperationsbereitschaft Deutschlands habe.