Mit einer Kundgebung vor dem US-Konsulat in Hongkong haben regierungskritische Demonstrantinnen und Demonstranten die Vereinigten Staaten um Unterstützung gebeten. Tausende Menschen versammelten sich zunächst in einem Park im Stadtzentrum und riefen: "Widersteht Peking, befreit Hongkong". Viele von ihnen trugen schwarze Hemden, waren maskiert und schwenkten US-amerikanische Flaggen. Auf Plakaten war zu lesen: "Präsident Trump, bitte befreien Sie Hongkong".

Die Protestierenden forderten den US-Kongress dazu auf, ein Gesetz zu verabschieden, das Sanktionen gegen Regierungsbeamte in China und Hongkong vorsieht, die Demokratie und Menschenrechte unterdrücken. Auch den bevorzugten Handelsstatus Hongkongs in den USA könnte das Gesetz beeinträchtigen.

Trump hatte Chinas Präsidenten Xi Jinping vergangenen Monat ein Krisentreffen angeboten und beide Seiten dazu aufgerufen, mit Vorsicht zu handeln. Er äußerte die Hoffnung, die Situation werde sich friedlich lösen. Mehrere Kongressabgeordnete unterstützen die Demokratiebewegung und warnen vor einem gewaltsamen Vorgehen Chinas.

Die chinesische Regierung verbittet sich eine Einmischung des Auslands in ihre Hongkong-Politik. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte am Samstag bei ihrem China-Besuch dafür geworben, "dass Konflikte gewaltfrei gelöst werden". Alles andere wäre aus ihrer Sicht "eine Katastrophe", sagte Merkel.

Polizei setzt wieder Pfefferspray ein

Nachdem die Polizei am Samstag erneut Proteste an Hongkongs Flughafen verhindert hatte, war es in der Nacht in mehreren U-Bahn-Stationen zu gewaltsamen Zusammenstößen zwischen Polizei und Demonstranten gekommen. Im Viertel Mongkok zündeten Demonstranten in der Nähe einer verschlossenen Metrohaltestelle Müll an, zogen sich jedoch zurück, nachdem die Polizei Pfefferspray eingesetzt hatte. Es gab mehrere Verletzte und Festnahmen.

Es ist das 14. Wochenende in Folge, an dem in der autonom verwalteten chinesischen Sonderverwaltungsregion demonstriert wird. Am Mittwoch hatte Hongkongs Regierungschefin Carrie Lam den Entwurf für ein umstrittenes Gesetz für Auslieferungen nach China komplett zurückgezogen, das die Proteste ursprünglich ausgelöst hatte. Die Protestbewegung teilte mit, das Zugeständnis komme zu spät und genüge nun nicht mehr. Inzwischen fordern die Demonstrantinnen und Demonstranten auch eine unabhängige Untersuchung der Polizeigewalt, eine Amnestie für die Festgenommenen sowie freie Wahlen.