Hongkongs Polizei hat einen erneuten Protest am Flughafen der Stadt mit einem Großaufgebot verhindert. In Erwartung von Demonstrantinnen und Demonstranten, die sich für eine Protestaktion über das Internet verabredet hatten, reagierte die Polizei mit erhöhten Sicherheitsmaßnahmen. Hunderte Bereitschaftspolizisten patrouillierten am Flughafen und in der Umgebung, wie eine Reporterin der Deutschen Presse-Agentur berichtete.

Auch der Verkehr zum Flughafen wurde streng überwacht. Beamte stoppten zahlreiche Autos und Busse, die in Richtung des Flughafens unterwegs waren. An Bus- und Zugbahnhöfen sowie den Anlegestellen von Fähren durchsuchten Sicherheitskräfte die Taschen und Rucksäcke vor allem junger Leute und kontrollierten Ausweise. Das berichteten Reporter der Nachrichtenagentur AFP.

Der Hongkonger Zeitung South China Morning zufolge versammelten sich die Demonstrierenden statt am Flughafen in Einkaufszentren und an U-Bahn-Stationen in der Hongkonger Innenstadt. Der Flughafen war in den vergangenen Wochen immer wieder das Ziel von Protesten geworden. Zuletzt hatten vergangenen Sonntag Tausende Aktivistinnen und Aktivisten trotz eines Verbots vorübergehend den Betrieb lahmgelegt.

Erneut Ausschreitungen in Hongkongs Innenstadt

Am Freitagabend war es in der Innenstadt erneut zu Ausschreitungen gekommen. Einige Protestierende setzten Barrikaden in Brand, die Polizei setzte Tränengas und Gummigeschosse ein. Es ist das 14. Wochenende in Folge, an dem in der autonom verwalteten chinesischen Sonderverwaltungsregion demonstriert wird. Am Mittwoch hatte Hongkongs Regierungschefin Carrie Lam den Entwurf für ein umstrittenes Gesetz für Auslieferungen nach China komplett zurückgezogen, das die Proteste ursprünglich ausgelöst hatte.

Mit dem formellen Rückzug erfüllte Lam eine Hauptforderung der Demonstrierenden. Die Protestbewegung teilte mit, das Zugeständnis komme zu spät und genüge nun nicht mehr. Inzwischen fordern die Demonstrantinnen und Demonstranten auch eine unabhängige Untersuchung der Polizeigewalt, eine Amnestie für die Festgenommenen sowie freie Wahlen.

Bundeskanzlerin hofft auf friedliche Lösung

Unterdessen hat Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zum Abschluss ihrer Chinareise erneut ihre Hoffnung geäußert, dass sich die Konflikte in Hongkong friedlich lösen lassen. "Ich habe dafür geworben, dass Konflikte gewaltfrei gelöst werden und dass alles andere aus meiner Sicht eine Katastrophe wäre", sagte sie bei einem Besuch in der chinesischen Stadt Wuhan. Man habe ihr bei diesem Thema in Peking zugehört. Es sei wichtig, im Gespräch zu bleiben.

Der Hongkonger Demokratie-Aktivist Joshua Wong sagte der Bild am Sonntag, die Kanzlerin habe in Peking die Vorgänge in Hongkong "viel weniger deutlich" angesprochen, "als es sich die Hongkonger gewünscht hätten".