Israel hat nach Angaben von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu geheime Entwicklungsstätten für Atomwaffen im Iran entdeckt. Der Regierungschef präsentierte Satellitenaufnahmen, die eine Stätte nahe der Stadt Abade im Zentrum des Iran zeigen sollen. "Der Iran führte Experimente aus, um Atomwaffen zu entwickeln", sagte Netanjahu.

Der Ministerpräsident zeigte zwei Fotos: eins der intakten Anlage aus dem Juni und ein zweites Foto, auf dem Teile des Gebäudes zerstört sind. Der Iran habe die Anlage zu vertuschen versucht, nachdem Israel sie entdeckt habe, sagte er. "Dies ist, was ich den Tyrannen von Teheran zu sagen habe", so der israelische Premier, der sich in rund einer Woche einer vorgezogenen Parlamentswahl stellen muss. "Israel weiß, was sie tun, Israel weiß, wann sie es tun, und Israel weiß, wo sie es tun", sagte Netanjahu.

"Israel weiß, was sie tun"

Bereits im Mai 2018 hatte der Premier dem Iran vorgeworfen, umfangreiche Forschungen zum Bau einer Atombombe heimlich aufbewahrt zu haben, um sie in Zukunft benutzen zu können. Dies zeigten Zehntausende Dokumente aus einem "geheimen Atomarchiv" in Teheran, die der israelische Geheimdienst sichergestellt habe, sagte er damals. Aus diesen Dokumenten sollen auch die Informationen über die Entwicklungsstätte nahe Abade stammen.

Netanjahu gilt als einer der schärfsten Kritiker des internationalen Atomabkommens mit dem Iran und unterstützt den rigiden Kurs von US-Präsident Donald Trump, der den Deal inzwischen einseitig aufgekündigt hatte. Israel beschuldigt die Mullahs, eine Atombombe zu entwickeln – ein Vorwurf, den die Führung in Teheran stets zurückgewiesen hatte.

Weitere Zentrifugen in Natanz

Derweil bestätigte die Internationale Atomenergieorganisation (IAEA), dass sich der Iran – wie angekündigt – von den Einschränkungen des Atomabkommens zusehends löst. Demnach installierten Forscher in Natanz weitere Zentrifugen, die zur schnelleren und leistungsstärkeren Urananreicherung genutzt werden können. Am Wochenende seien die Zentrifugen aber noch nicht in Betrieb genommen worden, sagte IAEA-Sprecher Fredrik Dahl.

Die Islamischen Republik will so vor allem die europäischen Verhandlungspartner unter Druck setzen, die US-Sanktionen gegen das Land zu umgehen und die Wirtschaftsbeziehungen trotz der Auflagen zu normalisieren. Dies war dem Iran bei Abschluss des Abkommens im Jahr 2015 zugesagt worden – und Frankreich, Großbritannien und Deutschland wollen daran auch festhalten.

Die Politik des "maximalen Drucks", die die Regierung in Washington seit ihrem Vertragsaustritt ausgerufen hat, macht es ihnen jedoch schwer, sich an ihre ursprünglichen Zusagen zu halten.