Nach den Angriffen auf saudische Ölanlagen verlegen die USA weitere Soldaten in den Nahen Osten. "Der Präsident hat den Einsatz von US-Truppen genehmigt, die defensiver Natur sein werden", sagte Verteidigungsminister Mark Esper am Freitagabend im Pentagon. "Alles deutet darauf hin, dass der Iran für den Angriff verantwortlich war." Die Untersuchungen von US-amerikanischen, saudischen und internationalen Experten hätten ergeben, dass die eingesetzten Waffen aus iranischer Produktion stammten und nicht vom Jemen aus eingesetzt worden seien.

Der Iran dementiert jede Verantwortung für die Angriffe in Saudi-Arabien am vergangenen Samstag. Die vom Iran unterstützten Huthi-Rebellen hatten sich zu der der Tat bekannt. US-Außenminister Mike Pompeo hatte sie daraufhin der Lüge bezichtigt. 

Verteidigungsminister Esper sagte, die zusätzlichen US-Soldaten sollen der Verteidigung gegen Luft- und Raketenangriffe dienen. Wie viele Soldaten wohin verlegt würden, wollte US-Armeechef Joseph Dunford zunächst nicht verraten – er sagte auf Nachfrage aber, es werde sich nicht um Tausende Soldaten handeln. Dunford kündigte für kommende Woche weitere Details an.

Bereits 2.500 zusätzliche Soldaten seit Mai

Erst im Juni hatte das Pentagon angekündigt, weitere 1.000 Soldaten in den Nahen Osten zu schicken, um US-Truppen und nationale Interessen der USA in der Region zu schützen. Zuvor hatten die USA bereits im Mai ihre Truppen im Nahen Osten wegen der "anhaltenden Bedrohung" durch iranische Kräfte um 1.500 Soldaten verstärkt. Außerdem wurden ein Flugzeugträgerverband und eine Bomberstaffel in die Region verlegt.

Der Minister betonte, Trump wolle keinen Krieg mit dem Iran. Allerdings stünden den USA "andere militärische Optionen zur Verfügung, sollten sie nötig sein".  Er forderte den Iran auf, seine "zerstörerischen und destabilisierenden Aktivitäten" zu unterbinden und einen "friedlichen und diplomatischen Weg" weiterzugehen. "Tatsache ist, dass die Saudis sowohl mit Drohnen als auch mit Marschflugkörpern angegriffen wurden" und dass sie weiterhin gefährdet seien.

Trump hatte am Freitag neue Sanktionen gegen Irans Zentralbank und Staatsfonds wegen angeblicher Finanzierung terroristischer Aktivitäten angekündigt. "Wir haben jetzt alle Einkommensquellen des Iran abgeschnitten", sagte Finanzminister Steven Mnuchin. Die USA warnten alle Regierungen, nicht mehr mit Irans Zentralbank zu kooperieren.

Die beiden Institutionen hätten den Iranischen Revolutionsgarden und schiitischen Milizen, die die US-Regierung als Terrororganisationen einstufen, Milliarden Dollar und Euros zukommen lassen, hieß es. Die US-Regierung hatte die Zentralbank bereits zuvor zum Ziel von Sanktionen gemacht. Nun dürfte Irans bereits stark eingeschränkter Zugang zum internationalen Finanzsystem noch weiter erschwert sein.

Ajatollah droht im Angriffsfall mit der Vernichtung Israels

Aus dem Iran kommen unterdessen neue Drohungen. Ein ranghoher schiitischer Geistlicher drohte für den Fall eines US-Angriffs mit der Vernichtung Israels. Sollte es zu einem Angriff kommen, wäre "von Israel binnen zwölf Stunden nur noch Staub übrig", sagte Ajatollah Sejed-Ahmad Alamolhoda beim Freitagsgebet in der Pilgerstadt Mesched. Der Geistliche gilt als einer der Chefideologen der Hardliner im Iran. Alamolhoda sagte, der Iran sei in seinem Widerstand gegen die USA nicht mehr geografisch beschränkt. Er verwies auf Verbündete in Syrien, im Libanon und Palästina.

Experten zufolge könnte vor allem die im Libanon aktive schiitische Miliz Hisbollah Israel angreifen. Irans Außenminister Mohammed Dschawad Sarif hatte im Fall eines Militärschlags der USA und Saudi-Arabiens bereits am Donnerstag in einem Interview mit einem "umfassenden Krieg" gedroht, der viele Opfer zur Folge haben würde.

Insider: Außenminister Maas bereitet sich auf Treffen mit Iranern vor

Unterdessen gibt es Bemühungen um eine Deeskalation der Krise. Zum einen machten die mit dem Iran verbündeten Huthis den mit den USA verbündeten Saudis am Freitag ein Angebot für eine Waffenruhe. Zum anderen bereiten sich die Akteure des Atomabkommens von 2015, mit Ausnahme der US-Vertreter, Diplomaten zufolge auf ein Treffen am kommenden Mittwoch am Rande der UN-Generaldebatte in New York vor. Demnach sollen dort die Außenminister von Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Russland und China mit dem iranischen Außenminister zusammenkommen. Sie haben mehrmals betont, das Abkommen retten zu wollen.

Auch der iranische Chefdiplomat Mohammed Dschawad Sarif kündigte ein entsprechendes Treffen vor iranischen Journalisten an. Außerdem bezeichnete er neue US-Sanktionen gegen den Iran als "einen Akt der Verzweiflung".

Seit der einseitigen Aufkündigung des Atomabkommens mit dem Iran durch die USA vor gut einem Jahr haben die Spannungen zwischen den Regierungen der USA und des Iran immer weiter zugenommen. Die USA wollen den Iran mit harten Sanktionen und einer Politik des "maximalen Drucks" dazu bewegen, einem neuen Abkommen mit härteren Auflagen zuzustimmen und die Unterstützung von Terrorgruppen in der Region einzustellen. Die US-Sanktionen haben die wichtige Öl- und Gasförderung des Iran hart getroffen und eine Wirtschaftskrise ausgelöst. Der Iran will sein Atomprogramm nun allerdings wieder hochfahren.

Die US-Sanktionen haben zur Folge, dass das Vermögen sanktionierter Personen und Institutionen in den USA eingefroren wird und US-Firmen und Banken keine Geschäfte mehr mit ihnen machen dürfen. Auch ausländische Banken und Personen, die weiterhin mit ihnen Geschäfte machten, könnten nach US-Angaben mit Sanktionen belegt werden.