Nach der Parlamentswahl in Israel will der amtierende Ministerpräsident Benjamin Netanjahu mit der Liste Blau-Weiß seines Herausforderers Benny Gantz eine Regierung bilden. "Benny, wir müssen eine Einheitsregierung bilden, so groß wie möglich", sagte der Premier in einer Videobotschaft und schlug ein Treffen noch für diesen Donnerstag vor.

"Das Volk erwartet von uns, dass wir unsere Verantwortung wahrnehmen und kooperieren", sagte Netanjahu an seinen Herausforderer gerichtet – und änderte damit überraschend seine Tonlage. Noch am Mittwochabend hatte der bisherige Regierungschef erklärt: "Es gibt nur zwei Optionen: eine Regierung unter meiner Führung oder eine gefährliche Regierung, die von den arabischen Parteien abhängig ist."

"Keine Koalition mit Likud unter Netanjahu"

Ob Gantz tatsächlich zu einer gemeinsamen Regierung mit oder gar unter Führung von Netanjahu bereit ist, ist indes unklar. Tatsächlich kommt seine liberalkonservative Liste Blau-Weiß mit ihren 33 Sitzen laut des vorläufigen Wahlergebnisses auf einen Sitz mehr als Netanjahus konservativer Likud. Allerdings erreicht keine der beiden Parteien mit ihren traditionellen oder möglichen Verbündeten die für die Regierungsbildung erforderliche Mehrheit von 61 Sitzen in der Knesset.

Am Mittwochabend hatte Netanjahu die Vorsitzenden der rechten und religiösen Parteien getroffen und sich zum Wortführer des Blocks mit 55 Sitzen erklärt. Zugleich schloss Gantz eine Koalition mit dem Likud aus, solange dieser von Netanjahu geführt wird. Er begründete dies mit den Korruptionsvorwürfen, denen sich der Regierungschef ausgesetzt sieht.

Allerdings sagte der politische Quereinsteiger auch, er hoffe auf eine "gute, wünschenswerte Einheitsregierung". Einer seiner Sprecher kündigte nach der Videobotschaft des Premiers eine baldige Stellungnahme des Ex-Militärchefs an.