Nach der Parlamentswahl in Israel besteht nach Medienberichten ein Patt zwischen der Likud-Partei des rechtskonservativen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu und dem Mitte-Bündnis Blau-Weiß. Likud sowie Blau-Weiß des ehemaligen Militärchefs Benny Gantz kommen nach Auszählung von mehr als 90 Prozent der Stimmen auf jeweils 32 Sitze, wie israelische Medien berichteten.

Dennoch gab sich Netanjahu am frühen Mittwochmorgen vor Anhängerinnen und Anhängern in Tel Aviv siegesgewiss. Er strebe die Bildung einer neuen starken Regierung unter Ausschluss arabischer Parteien an. "Es wird und kann keine Regierung geben, die sich auf arabische, antizionistische Parteien stützt", sagte er. Der Ministerpräsident wies darauf hin, er wolle nun den Wahlausgang abwarten.

Auch Gantz sagte vor jubelnden Anhängerinnen und Anhängern, es sei verfrüht, sich zum Sieger auszurufen. Doch setze er nun auf die Bildung einer breiten Einheitsregierung, die "den Willen des Volkes ausdrückt".

Netanjahu strebt rechts-religiöse Koalition an

Netanjahu hatte bereits im Wahlkampf angekündigt, er strebe eine rechts-religiöse Koalition an. Gantz ist nur zu einer großen Koalition ohne Netanjahu als Regierungschef bereit. Als Grund nennt Gantz die Korruptionsvorwürfe gegen den 69-Jährigen, der seit 2009 Ministerpräsident ist. Nach einer Anhörung im Oktober droht Netanjahu eine Anklage in drei Korruptionsfällen.

Offizielle Angaben auf der Internetseite des israelischen Wahlausschusses gab es um 6 Uhr deutscher Zeit erst auf der Basis von rund 35 Prozent der ausgezählten Stimmen. Demnach kam der Likud auf 28,1 Prozent der Stimmen, Blau-Weiß auf 26,6 Prozent. Der Wahlausschuss teilt die Ergebnisse stets in Prozent mit, während die Medien die Ergebnisse direkt auf Mandate umrechnen. Nach Angaben des israelischen Fernsehsenders 13 kommt der rechts-religiöse Block derzeit auf 56 Mandate, der Mitte-Links-Block auf 55.

Bei der Wahl am Dienstag waren 6,4 Millionen Wahlberechtigte dazu aufgerufen, die 120 Mitglieder der 22. Knesset in Jerusalem zu bestimmen. Das endgültige Wahlergebnis soll eine Woche nach der Wahl veröffentlicht werden.

Die Menschen in Israel wählen schon zum zweiten Mal in diesem Jahr ihr Parlament. Bei der ersten Wahl im April holte das rechts-religiöse Lager, dem Netanjahus Likud-Partei angehört, zwar mit 65 Sitzen die Mehrheit; allerdings zerbrach das Bündnis an einem Streit zwischen dem früheren Verteidigungsminister Lieberman und den streng religiösen Koalitionspartnern. Das Parlament stimmte daraufhin im Mai mehrheitlich für seine Auflösung und für eine erneute vorgezogene Wahl.