Der Sprecher des britischen Unterhauses droht dem Premierminister. Ende Oktober will John Bercow sein Amt niederlegen, bis dahin werde er den britischen Premierminister Boris Johnson aufhalten, sollte er versuchen, einen harten Brexit bis zum 31. Oktober durchzudrücken, sagte John Bercow dem Guardian. Er werde dafür "zusätzliche Kreativität im rechtlichen Rahmen" zulassen. So könne das britische Unterhaus einen möglichen Vorstoß Johnsons blockieren.

"Lassen sich mich das kristallklar ausdrücken: Die einzige Möglichkeit, die wir haben, um aus der EU auszutreten, ist ein Brexit, der explizit vom britischen Unterhaus genehmigt wurde", sagte Bercow.

Boris Johnson hat das britische Unterhaus bis Mitte Oktober in eine Zwangspause geschickt. Am letzten Sitzungstag verlor der Premierminister die zweite Abstimmung über eine vorgezogene Neuwahl. Johnson darf somit Großbritannien nicht ohne Vertrag aus der EU führen. Dafür hatte die Mehrheit der Abgeordneten des britischen Unterhauses am 4. September gestimmt.

Der Premierminister scheint das jedoch weniger streng zu sehen. Er kündigte an, "lieber tot im Graben zu liegen", als den Brexit weiter zu verschieben. Dabei zeigt ein jüngst veröffentlichtes Planungsdokument der Regierung, wie gut Großbritannien auf einen schnellen Brexit beziehungsweise einen Austritt ohne Vereinbarung vorbereitet ist: schlecht.

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Bedroht sind demnach Handelswege, wodurch es zu Engpässen bei der Belieferung von etwa Medikamenten kommen könnte. Laut dem Dokument mit der Bezeichnung Operation Goldammer könnten auch Banktransaktionen und der Informationsaustausch zwischen Polizei und anderen Sicherheitsdiensten betroffen sein.

Sollte bis zum 19. Oktober kein Abkommen vorliegen, dem das britische Parlament zustimmt, wird die Frist für den Brexit um weitere drei Monate verlängert. Ein Brexit wäre dann Ende Januar 2020 möglich.