Donald Trump hat in seiner Amtszeit schon Dutzende Regierungsmitglieder und Berater entlassen. Vielen gab der US-Präsident öffentliche Danksagungen mit. Trumps Verabschiedung des nationalen Sicherheitsberaters John Bolton aber gleicht einem achtkantigen Rauswurf. "Ich war mit vielen seiner Vorschläge ganz und gar nicht einverstanden", twitterte Trump überraschend am Dienstagmorgen (Ortszeit) und beendete damit vorerst die diplomatische Karriere des 70-jährigen Bolton.

Für die internationale Diplomatie ist dieser Rauswurf eine gute Nachricht. Mit Bolton verlässt ein Mann die US-Regierung, der mit seinem stets rücksichtslosen Werben für Angriffskriege maßgeblich an der Destabilisierung des Nahen Ostens mitgewirkt hat – und auch heutzutage vor allem auf militärische Konfrontationen drängt.

Ein Kriegsfalke kehrt an die Macht zurück

Seinen ersten Regierungsposten hatte Bolton unter George W. Bush. Als hochrangiger Berater im Außenministerium drängte er auf den Einmarsch in den Irak. Er ist einer der Mitarchitekten des Kriegs, der mehr als 4.400 US-Soldaten das Leben gekostet und die Region dauerhaft verwüstet hat. 2005 dann berief Bush Bolton – ohne Zustimmung des Kongresses – zum Botschafter bei den Vereinten Nationen. Selbst in dieser Position machte der Mann mit dem markanten Schnurrbart aus seiner Abneigung gegenüber der Weltgemeinschaft nie einen Hehl. Bolton ist der Meinung, dass die USA als einzige verbliebene Supermacht sowohl politisch als auch militärisch eine uneingeschränkte globale Gestaltungsmacht besitzen. Schon 2008 wollte Bolton auch den Iran bombardieren.

Seine politischen Gegner behandelte Bolton damals wie heute mit einer Mischung aus Spott und offener Verachtung. Donald Trump gab Bolton im April 2018 dennoch die Möglichkeit für ein politisches Comeback und ernannte ihn zum nationalen Sicherheitsberater. Einem wichtigen Vertreter der halb vergessenen Generationen der "Kriegsfalken" aus den dunkelsten Zeiten der Bush-Präsidentschaft gelang damit die Rückkehr an die Macht.

Doch Boltons aggressive außenpolitische Vorstellungen kollidierten mit Trumps Isolationismus. Der US-Präsident steht Interventionen in Übersee äußerst skeptisch gegenüber. Auch wegen dieses Widerspruchs entwickelte sich Medienberichten zufolge nie ein Vertrauensverhältnis zwischen den beiden Männern. Der Kuschelkurs des US-Präsidenten mit dem nordkoreanischen Machthaber Kim Jong Un stieß Bolton ebenso auf wie dessen Umgang mit dem Iran. Während der US-Präsident lediglich eine Neuverhandlung des Atomabkommens anstrebt, will Bolton die Regierung in Teheran zu Fall bringen – im Zweifel auch militärisch. Folgerichtig empfahl der nationale Sicherheitsberater nach dem Abschuss einer US-Drohne im Juni einen Angriff auf den Iran, Trump entschied sich dagegen. Auch deshalb gewann Trump vermutlich das Gefühl, dass Bolton ihn ungewollt in militärische Konflikte hineinziehen will. Laut der New York Times soll der US-Präsident in kleiner Runde gesagt haben, wenn es nach Bolton ginge, "würden wir schon vier Kriege führen".

USA - Donald Trump entlässt Sicherheitsberater John Bolton Erneut muss jemand aus dem engsten Zirkel des US-Präsidenten gehen: Diesmal trennt sich Donald Trump von seinem Sicherheitsberater John Bolton. © Foto: Sergei Gapon/AFP/Getty Images

Viel Streit mit Trump – aber keine Erfolge

Bolton gelang es nicht, die Meinungsverschiedenheiten mit seinem Chef mit außenpolitischen Erfolgen auszugleichen. Der anvisierte schnelle Regimewechsel in Venezuela kam trotz der offensiven Unterstützung von Oppositionsführer Juan Guaidó nicht zustande – ein weiteres Indiz dafür, dass die aggressive Einmischung der US-Regierung in die inneren Angelegenheiten anderer Länder häufig nicht zu den erwünschten Ergebnissen führt.

Das dürfte auch Donald Trump bemerkt haben. Nun hat der Präsident einen Schlussstrich gezogen – und tatsächlich einen guten Instinkt bewiesen. Schon im Wahlkampf hatte der Immobilienmilliardär gelobt, die USA aus endlosen Kriegen herauszuhalten. Fast auf den Tag genau 18 Jahre nach dem Terroranschlag vom 11. September 2001 haben sich die Bilder von aus Afghanistan und Irak heimkehrenden Särgen sowie von Veteranen mit abgesprengten Gliedmaßen und posttraumatischen Belastungsstörungen auch im konservativen Amerika ins kollektive Gedächtnis eingebrannt. Die Lust an neuen militärischen Abenteuern ist gering – und der außenpolitische Stil eines John Bolton wirkt wie eine dunkle Erinnerung an den unglückseligen "Krieg gegen den Terror". Mit der Entlassung Boltons hat Donald Trump einen überfälligen Schritt vollzogen.

Schon im Juni hat Trump mit dem abgeblasenen Angriff gegen den Iran bewiesen, dass er in Fragen von Krieg und Frieden wesentlich bedachter reagiert, als seine Kritiker ihm andichten. Im Vergleich zu der verheerenden Kriegspolitik der Bush-Regierung hat Trump sich bisher außenpolitisch wesentlich weniger zu Schulden kommen lassen. Die US-Unterstützung des brutalen Kriegs Saudi-Arabiens gegen Aufständische im Jemen bildet dabei eine vehement zu verurteilende Ausnahme. 

Haben die Einflüsterer doch nicht so viel Einfluss?

Außerdem hat Trump bewiesen, dass die vermeintliche Macht der Einflüsterer im Weißen Haus über den Präsidenten womöglich geringer ist als angenommen. Der Präsident hat sich von Bolton nicht zu einer militärischen Konfrontation mit dem Iran verleiten lassen. Und auch sonst hat Trump sich bisher jeder Personalie entledigt, die er für unvereinbar mit der eigenen politischen Agenda hielt. Dass der Kriegstreiber Bolton nun das Feld räumen muss, lässt darauf hoffen, dass Trump auch künftig militärische Auseinandersetzungen vermeiden will.

Eine Garantie gibt es dafür aber nicht. Der Präsident hat seit Beginn seiner Amtszeit häufiger impulsive und erratisch wirkende Entscheidungen getroffen. Mit Außenminister Mike Pompeo sitzt noch immer ein Befürworter eines Angriffs auf den Iran im Umfeld des Präsidenten. Vieles hängt nun davon ab, wen Trump zu Boltons Nachfolger ernennt. Eine mäßigende Kraft im Weißen Haus wäre dringend nötig.