UN-Generalsekretär António Guterres hat die Annexionspläne des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu als "schwerwiegenden Verstoß gegen das Völkerrecht" kritisiert. Eine Annexion des Jordantals wäre "verheerend für die Möglichkeit einer Wiederbelebung von Verhandlungen und des regionalen Friedens", so Guterres. Die Chance auf Frieden in der Region würde zudem erheblich gemindert und eine Zweistaatenlösung zwischen Israelis und Palästinensern erschwert.

Netanjahu hatte am Dienstag angekündigt im Falle seiner Wiederwahl am 17. September das Jordantal zu annektieren. Nach Angaben Netanjahus beträfe das alle jüdischen Siedlungen im Jordantal, die etwa 90 Prozent des Gebietes entsprechen, sowie das "nördliche Tote Meer". Die Pläne des israelischen Ministerpräsidenten waren international auf Kritik gestoßen.

Ein Sprecher der EU-Außenbeauftragten Federica Mogherini teilte mit, man werde keine Änderungen der vor 1967 bestehenden Grenzen anerkennen, die nicht zwischen beiden Seiten vereinbart worden seien.

Der türkische Außenminister Mevlüt Çavuşoğlu schrieb auf Twitter, Netanjahus Wahlversprechen sei ein "rassistischer Apartheidstaat". Die Türkei werde "die Rechte und Interessen ihrer palästinensischen Brüder und Schwestern bis zum Ende verteidigen".

In dem seit 1967 von Israel besetzten Palästinensergebiet macht das Jordantal rund ein Drittel aus. Israel betrachtet es als wichtige Verteidigungsbarriere. Palästinensische Ort wie Jericho blieben von den Annexionsplänen Netanjahus unberührt. Im Jordantal an der Grenze zu Jordanien leben nach Angaben der israelischen Menschenrechtsorganisation B'Tselem etwa 60.000 Palästinenser und 5.000 israelische Siedler