Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan hat in einer Rede seinen Missmut darüber bekundet, dass die Türkei keine Atomwaffen haben soll. "Einige Länder haben Raketen mit nuklearen Sprengköpfen. Nicht nur eine oder zwei." Der Türkei würde man jedoch sagen, sie solle keine Atomraketen haben. "Das akzeptiere ich nicht", sagte Erdoğan auf einem Wirtschaftsforum in der zentraltürkischen Stadt Sivas. Ob er damit andeuten wolle, dass er eine atomare Bewaffnung des türkischen Militärs anstrebe, sagte er jedoch nicht.

Erdoğan verwies darauf, dass fast alle Industrieländer Atomraketen hätten. Die USA und Russland hätten zwischen 12.500 und 15.000 nukleare Sprengköpfe. Israel würde sie zur Abschreckung nutzen. "Zurzeit führen wir unsere Arbeiten weiter", sagte Erdoğan ohne weitere Erklärung. Die Türkei hat ein ziviles Atomprogramm und hat 2018 mit dem Bau ihres ersten Atomkraftwerks begonnen.

Die Türkei hat sowohl den Atomwaffensperrvertrag als auch den Kernwaffenteststoppvertrag ratifiziert. Damit hat das Land auf das Recht, Atomwaffen zu erwerben, verzichtet, wie auch die meisten anderen Länder der Welt. Neben den offiziellen Atommächten – USA, Russland, China, Großbritannien und Frankreich – haben auch vier weitere Länder Atomwaffen. Sie haben den Vertrag nie unterschrieben, wie Indien, Pakistan und Israel, oder sind aus ihm ausgetreten, wie Nordkorea. Zusätzlich wurde dem Iran und Saudi-Arabien mehrmals vorgeworfen, geheime Kernwaffenprogramme zu betreiben.

Die Türkei ist Nato-Mitglied. Jedoch kam es in den vergangenen Wochen zu Streitigkeiten mit den USA über die Bewaffnung der türkischen Streitkräfte. Wegen Erdoğans Syrien-Politik – die Türkei sieht in den kurdischen Einheiten, die Nordsyrien kontrollieren, eine Terrorgefahr, während die USA mit ihnen verbündet sind – haben die USA einen Waffendeal mit der Türkei gestoppt. Darin ging es um den Verkauf eines Luftabwehrsystems. Weil Erdoğan deswegen auf den Kauf eines russischen Luftabwehrsystems ausgewichen ist, stoppten die USA auch einen geplanten Verkauf von F-35-Kampfjets an die Türkei