Kurz vor einem Treffen mehrerer EU-Innenminister in Malta hat sich der luxemburgische Außenminister Jean Asselborn für eine neue EU-Seenotrettungsmission ausgesprochen. Es sei ein "Gebot der Humanität", dass sich die EU an der Rettung von in Seenot geratenen Flüchtlingen beteilige, sagte er der Welt und forderte zudem alle EU-Länder dazu auf, sich an der Aufnahme von aus Seenot geretteten Migranten zu beteiligen.

"Auf die Dauer kann sich die Verteilung von in Seenot geretteten Migranten nicht auf fünf oder sechs EU-Länder beschränken", sagte Asselborn, der in seinem Land auch für Migration verantwortlich ist. Mindestens zwölf Staaten müssten "ihrer Verantwortung nachkommen und gerettete Migranten aus dem zentralen Mittelmeer aufnehmen".

Innenminister beraten über Verteilungsmechanismus

Die Innenminister aus Deutschland, Frankreich, Italien und Malta sowie Vertreter der EU-Ratspräsidentschaft Finnland und der EU-Kommission wollen an diesem Montag über einen festen Mechanismus zur Verteilung von Migranten beraten, die auf dem Mittelmeer gerettet wurden. Damit sollen die teils wochenlangen Blockaden von zivilen Rettungsschiffen ein Ende haben. So hatten Italien unter dem ehemaligen Innenminister Matteo Salvini und Malta das Anlegen der Schiffe verweigert, solange die Aufnahme der Flüchtlinge durch andere EU-Länder nicht geklärt war.

Kritik an einem solchen Mechanismus wies Asselborn zurück: "Wenn einfach immer ein Pull-Effekt angenommen wird, dann wäre die Alternative von vornherein, die Menschen ertrinken zu lassen." Es gebe aber eine "Logik der Humanität", der Europa folgen sollte, betonte Asselborn. Horst Seehofer (CSU), der ebenfalls an dem Treffen auf Malta teilnimmt, hatte sich vorab bereit erklärt, die Aufnahme von einem Viertel der geretteten Flüchtlinge zuzusagen.

Italien lässt gerettete Migranten in Hafen

Unterdessen ließ Italien erneut gerettete Migranten an Land – ein Zeichen für eine Wende in der Flüchtlingspolitik nach dem Regierungswechsel. Die Behörden wiesen 182 geretteten Migranten vom Rettungsschiff Ocean Viking die sizilianische Hafenstadt Messina als sicheren Ort zu, teilte SOS Méditerranée am späten Sonntagabend auf Twitter mit. "Wir sind erleichtert, dass Italien zum zweiten Mal innerhalb einer Woche einen Hafen für Menschen öffnet, die im Mittelmeer gerettet wurden." Das Schiff wird von SOS Méditerranée und Ärzte ohne Grenzen betrieben.