Die schottische Regierungschefin Nicola Sturgeon ist in Potsdam für ihren Einsatz gegen den Brexit mit dem M100 Media Award geehrt wurden. Mit dem Preis werden seit 2005 jährlich Verteidiger freiheitlicher europäischer Werte ausgezeichnet. Bisherige Preisträgerinnen und Preisträger waren unter anderem der Journalist Deniz Yücel, der Boxer Vitali Klitschko und die Redaktion des französischen Satiremagazins Charlie Hebdo.   

In ihrer Dankesrede bekräftigte Sturgeon erneut ihre Ablehnung gegen den Brexit. "Wir haben nicht um ein Referendum gebeten und als das Referendum dann kam, haben wir mit überwältigender Mehrheit für den Verbleib gestimmt", sagte die Politikerin. Selbst wenn Schottland "gezwungen" werde, die Europäische Union zu verlassen, werde ihr Land an den europäischen Werten festhalten.

Sowohl die Bürgerinnen und Bürger als auch die Wirtschaft Schottlands würden von der Mitgliedschaft in der Union profitieren, so Sturgeon. Doch es gehe ihr nicht nur um die Vorteile Schottlands, sondern vor allem um die gemeinsamen Werte wie Freiheit, Pluralismus und Toleranz. Die EU sei die "natürliche Heimat" Schottlands und ihre Regierung werde alles dafür tun, auch in Zukunft eng mit der Union zusammenzuarbeiten. "Die Europäische Union ist nicht perfekt. Aber aus meiner Sicht hat keine andere Institution mehr für Wohlstand, Frieden, Demokratie und Menschenrechte auf dem Kontinent getan", sagte Sturgeon. 

Die Erste Ministerin Schottlands ist eine klare Gegnerin des Austritts Großbritanniens aus der Europäischen Union. Erst vor Kurzem kritisierte sie die No-Deal-Strategie des britischen Premierministers Boris Johnson. Sie warf Johnson vor, dass Land in eine "Katastrophe" zu führen. Außerdem strebt Sturgeon ein zweites Unabhängigkeitsreferendum an, in dem Schottinnen und Schotten über dem Verbleib Schottlands im Vereinigten Königreich abstimmen sollen.   

Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) würdigte die Preisträgerin als "Freundin Europas" und lobte ihren "unermüdlichen Einsatz" für die europäischen Werte. Sturgeon bedankte sich für die Auszeichnung, sie sei "zutiefst geehrt". Sturgeon hebe sich mit ihrer eindeutig proeuropäischen Haltung von anderen britischen Spitzenpolitikern ab, begründete der M100-Beirat die Entscheidung für die diesjährige Preisträgerin. Dem Beirat gehören mehrere Chefredakteurinnen und -redakteure überregionaler deutscher Medien, Politiker und Wissenschaftlerinnen an.