Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble (CDU) kann Bedenken gegen die umstrittene Erdgasleitung Nord Stream 2 nachvollziehen. "Die Sichtweise unserer östlichen Nachbarn übergangen zu haben, gehört nicht zu den Glanzpunkten deutscher Politik und hat viel Vertrauen zerstört", schreibt Schäuble in einem Gastbeitrag für die Zeitung Die Welt. Zugleich warnte er die Gegner: "Das Projekt auf Umwegen zu sabotieren, ist aus gesamteuropäischer Sicht trotzdem keine vernünftige Lösung."

Den Planungen zufolge soll die etwa 1.200 Kilometer lange Ostsee-Pipeline Ende des Jahres betriebsbereit sein. Die neue Pipeline soll nicht wie andere Pipelines durch osteuropäische Staaten wie Polen oder die Ukraine verlaufen. Laut Nord Stream ist die Pipeline bereits zu 70 Prozent verlegt, ihre Fertigstellung könnte sich aber verzögern, weil es noch keine Einigung zum Trassenverlauf vor der dänischen Insel Bornholm gibt.

Laschet will mehr Zusammenarbeit mit Russland

Die Bundesregierung erhofft sich durch Nord Stream 2 eine Versorgung mit preiswertem Gas. Die USA und einige europäische Staaten kritisieren den Bau, unter anderem weil sie eine zu große Abhängigkeit von russischem Gas befürchten. Erst am Montag hatte US-Vizepräsident Mike Pence Polen für den Widerstand gegen Nord Stream 2 gelobt und Deutschland kritisiert.

Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) sprach sich unterdessen für engere Kooperation mit Russland aus. Mit Blick auf die Entspannungspolitik der Siebzigerjahre im Kalten Krieg sagte der CDU-Politiker der Rheinischen Post: "Damals hat man in einer angespannten Lage mit einem totalitär kommunistischen System trotzdem Gesprächsfäden aufgebaut. Dann muss uns das doch auch heute möglich sein. Wir brauchen Russland für viele Fragen in der Welt."

Es sei ein "wichtiger Schritt", dass Russlands Präsident Wladimir Putin zugesagt habe, das Pariser Klimaschutzabkommen zu ratifizieren. "Es gibt viele Konflikte, wo wir vorankommen müssen, ohne dass wir unsere völkerrechtliche Position etwa zur Krim aufgeben. Da kann man Klartext reden und trotzdem auf anderen Feldern kooperieren und im Gespräch bleiben", sagte Laschet.