Tiefer geht es für die FPÖ kaum noch: Sie ist bei der Nationalratswahl in Österreich auf ihren harten Kern von 16 bis 17 Prozent der Wählerstimmen zurückgefallen – ein Minus von rund zehn Prozentpunkten. Wer nun aber glaubt, dass dies den Abstieg der Rechten und den Beginn einer Schwäche des Rechtspopulismus in Österreich bedeutet, irrt gewaltig. Die klare Niederlage der FPÖ ist nicht einer Abkehr von ihren extrem rechten Positionen, ihrer Ausländerfeindlichkeit und Asylbösartigkeit, ihrer Politik des "Wir und die anderen", ihrer Verachtung für Dialog und Institutionen oder ihren Entmachtungsfantasien der Sozialdemokratie geschuldet. Sie ist ausschließlich dem plötzlichen Aufbrechen interner Intrigen und Differenzen zu verdanken.

Die Veröffentlichung des skandalösen Ibiza-Videos, in dem der spätere Vizekanzler Heinz-Christian Strache Haus und Hof der Republik an eine vermeintliche Russin verscherbeln wollte, hatte in den vergangenen Monaten kaum Wirkung in den Umfragen gezeigt. Eine Woche vor der Wahl wurde jedoch auch für eine nur mäßig interessierte Öffentlichkeit klar, dass das Video und weitere Enthüllungen über ein angebliches Luxusleben des langjährigen FPÖ-Chefs Strache Resultat interner Intrigen sind. Klar wurde auch, dass sich ein interner Machtkampf abspielt. Im Fall der FPÖ geht es um die sanfte, freundliche und ÖVP-affine Linie des Spitzenkandidaten Norbert Hofer und die harte, radikale, ÖVP-averse Linie des Co-Spitzenkandidaten Herbert Kickl. Im Grunde geht es um die Teilhabe an einer Regierung rechts der Mitte oder um eine fundamentale Opposition zum herrschenden demokratischen System. Mit Ersterem hat diese Partei nun drei Mal Schiffbruch erlitten, mit Letzterem ist sie immer gut gefahren. Bis zum nächsten Höhenflug. Jeder Versuch, sie dann in einer Regierung zu zähmen, ist gescheitert.

Der Machtkampf in der FPÖ wird sich in den nächsten Monaten entschieden. Sein Ausgang wird weitgehend davon abhängen, ob Wahlsieger Sebastian Kurz eine Regierungsmehrheit mit den wieder erstarkten Grünen zustande bringt (oder überhaupt bringen will). Seine andere realistische Mehrheitsvariante wäre mit der geschwächten FPÖ. Das wäre dann ein Déjà-vu von 2002.

Haider lässt grüßen

Vor genau zwanzig Jahren erreichte die Freiheitliche Partei Österreichs (FPÖ), damals unter dem Rechtspopulisten Jörg Haider, mit knapp 27 Prozent der Stimmen ihr bis dahin bestes Ergebnis bei einer Bundeswahl in Österreich, überholte die konservative Volkspartei um 415 Stimmen und überließ in der Folge deren Vorsitzenden Wolfgang Schüssel die Regierungsbildung zum Preis eines Regierungseintritts. Zwei Jahre später zerbrach diese Koalition an einem internen Machtkampf in der Freiheitlichen Partei, wurde mit einer geschwächten FPÖ fortgesetzt, führte zur Parteispaltung und schließlich zum Aufstieg von Heinz-Christian Strache.

Es ist erstaunlich, dass aus dem damaligen Verhalten der FPÖ als Koalitionspartner bis heute keine Lehren gezogen wurden. Man hätte es wissen können. Dennoch hat sich im Umgang mit und bei den Reaktionen auf die Methoden der Rechtspopulisten seit dem rasanten Aufstieg der FPÖ in den Neunzigerjahren nichts geändert.

Die Erfolgsformel der Rechtspopulisten von den USA über Deutschland, Italien, Ungarn oder eben Österreich ist immer die gleiche: Grenzüberschreitungen, Provokation, Halbwahrheiten. Die schon in den Neunzigerjahren erwiesene Erfolglosigkeit der Reaktionen ihrer Gegnerinnen und Gegner ist ebenfalls die gleiche: mehr moralische Empörung als sachliche Auseinandersetzung; mehr Öffentlichkeit für ihre Provokation, weniger faktenbezogene Antworten; mehr Verschweigen, weniger Beachtung der wahren Probleme. Nicht jede Kritik der Rechtspopulisten an den herrschenden Zuständen ist unberechtigt.