Was muss eigentlich noch geschehen, damit sich die Republikanische Partei endlich von Donald Trump lossagt? Der US-Präsident steht unter Verdacht, dass er im beginnenden Wahlkampf den ukrainischen Präsidenten darum gebeten hat, ihm zu helfen, einen politischen Kontrahenten zu diskreditieren und loszuwerden. Wiegt dieser Vorwurf nicht schwer genug? 

Diese Frage ist naheliegend, aber die Antwort ebenso: Die Grand Old Party wird weiter zu ihrem Präsidenten halten. Sie kann gar nicht mehr anders. Denn Donald Trump, der erst spät und eher zufällig zur Republikanischen Partei stieß und von deren Establishment lange geschmäht wurde, beherrscht heute diesen politischen Verein wie niemand sonst.

Dafür gibt es vor allem drei Gründe. Der erste: Schon bevor Donald Trump am Horizont auftauchte, hatten sich die Republikaner stark radikalisiert. Die Tea Party, eine rechtskonservative Bewegung, die sich 2009 nach der Wahl des Demokraten Barack Obama formiert hatte, bemächtigte sich Schritt für Schritt der Republikanischen Partei. Erst wetterte sie gegen Obamas Schuldenpolitik und war strikt dagegen, dass der bei Rechten verhasste Präsident in der Finanzkrise mit Steuergeld Banken, Autohersteller und bankrotte Hausbesitzer rettete. Dann forderte sie harschere Einwanderungsgesetze und zog gegen Obamas Gesundheitsreform zu Felde, gegen die Klimaschutzgesetze und die Bildungsreform. Für die Tea Party war das linkes Teufelszeug.

Sehnsucht nach einem Aufwiegler

Zweitens: Mit der Zeit nahm die Tea Party immer größeren Einfluss auf die Republikanische Partei – und damit auch auf deren Vorwahlen. In ihnen bestimmt die Parteibasis, welche Kandidaten sie ins Rennen für den amerikanischen Kongress, also für die 435 Sitze im Repräsentantenhaus und die 100 Sitze im Senat schicken will. Bei den Halbzeitwahlen 2010 war für alle republikanischen Bewerber der Lackmustest: Wie haltet ihr es mit Tea Party?

Nur wer diese radikale Bewegung umwarb und ihre extremen Positionen teilte, hatte eine Chance, von der Parteibasis aufgestellt zu werden. Moderate Kandidaten fielen bei den Vorwahlen reihenweise durch.

Darum traf Donald Trump, als er sich 2016 um die republikanische Präsidentschaftskandidatur bewarb, auf eine Parteibasis, die längst empfänglich war für einen politischen Hasardeur wie ihn. Das republikanische Parteivolk sehnte sich geradezu nach einem Aufwiegler. Viele fanden es toll, dass Trump immer wieder öffentlich behauptet hatte, Barack Obama sei nicht in den Vereinigten Staaten geboren worden und darum zu Unrecht Präsident.

Je rabiater Trump auftrat, desto größer die Begeisterung. Hetzte Trump im Wahlkampf 2016 gegen seine Widersacherin Hillary Clinton, skandierten seine Zuhörer minutenlang: "Lock her up" – Sperr sie ein! Trump wurde jede Entgleisung nicht nur nachgesehen, sie wurde geradezu gewünscht.

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Kaum offener Widerspruch

Die wenigen noch verbliebenen gemäßigten Republikaner haben sich inzwischen entweder frustriert aus dem politischen Geschäft zurückgezogen, halten still oder haben sich angepasst. Offenen Widerspruch erfährt Donald Trump in seiner Partei so gut wie nie. Und falls ausnahmsweise doch, dann überzieht er seine Kritiker via Twitter-Botschaften so lange mit Hass, Spott und Häme, bis diese – oft verzweifelt – klein beigeben.

Die Partei hat nicht einmal im vergangenen November revoltiert, nachdem sie bei den Halbzeitwahlen 2018 Dutzende von Abgeordnetensitzen und damit die Mehrheit im Repräsentantenhaus verloren hatte. Dabei ging diese krachende Niederlage ganz klar auf das Konto von Donald Trump. Doch niemand wagt den Aufstand gegen ihn, seine Gegenkandidaten bei den republikanischen Vorwahlen haben keine Chance.

Der dritte Grund, warum ihm die Grand Old Party weiter die Stange hält: Donald Trump löst im Großen und Ganzen ein, was er den Republikanern vor seiner Wahl versprochen hat. Für fast alle ist etwas dabei. Die einen bejubeln die große Steuersenkung, die anderen den Bau der Mauer zu Mexiko oder die massenweise Ernennung konservativer Bundesrichter. Wiederum andere beklatschen die Strafzölle gegen China – und dass Trump weder Feind noch Freund kennt, sondern nur seine eigenen Interessen.

Mehr als 90 Prozent der Republikaner finden, dass Trump ein guter Staatschef ist. Solange er weiter eine Politik betreibt, die sein Parteivolk glücklich macht, so lange werden die Republikaner im Kongress ein Amtsenthebungsverfahren nach Kräften zu verhindern versuchen und alles geben, damit Donald Trump im nächsten Jahr wiedergewählt wird.