Die USA haben ihren Vorwurf untermauert, dass der Iran hinter den Angriffen auf die Ölanlagen Saudi-Arabiens steckt. Es gebe Hinweise, dass die Flugkörper aus west-nordwestlicher Richtung und damit aus Richtung des Iran gekommen seien – und nicht aus südlicher Richtung aus dem Jemen, sagte ein US-Regierungsvertreter. Saudi-Arabien habe zudem darauf hingewiesen, dass es Anzeichen gebe, dass auch Marschflugkörper bei den Attacken eingesetzt worden seien. An den Ölanlagen seien 19 Einschlagspunkte gezählt worden. Gerätschaften, die offenbar nicht ihre Ziele erreicht hätten, seien sichergestellt worden und würden von saudischen und amerikanischen Geheimdiensten untersucht.

Die Anschläge haben vom Iran unterstützte Huthi-Milizen aus dem Jemen für sich reklamiert. Sie hatten erklärt, mit zehn Drohnen die Ölanlagen Saudi-Arabiens angegriffen zu haben. Der Iran hat die US-Vorwürfe zurückgewiesen, die treibende Kraft hinter den Taten gewesen zu sein. Der US-Regierungsvertreter beharrte aber auf den Anschuldigungen: "Es gibt keinen Zweifel, dass der Iran dafür verantwortlich ist. Wie auch immer man das dreht, es gibt kein Entkommen. Es gibt keine anderen Kandidaten." US-Außenminister Mike Pompeo hatte den Iran bereits am Samstag für die Angriffe in Saudi-Arabien verantwortlich gemacht.

US-Präsident Donald Trump bewilligte die Freigabe nationaler Ölreserven im Falle von Engpässen. Ausgehend von dem Angriff, "der sich auf die Ölpreise auswirken könnte", habe er, falls erforderlich, die Freigabe genehmigt, schrieb Trump auf Twitter. Die Menge habe er noch nicht festgelegt, aber sie werde ausreichend sein, "um die Märkte gut zu versorgen". Er habe zudem die zuständigen Behörden informiert, um die Genehmigungsverfahren für die Ölpipelines in Texas und anderen Staaten zu beschleunigen.

Ruhani fordert Ende "amerikanischer Aggressionen"

Die Angriffe auf zwei Ölförderanlagen des saudischen Staatskonzerns Aramco in Abkaik und Churais im Osten Saudi-Arabiens hatten sich am Samstag ereignet. Auf den Fotos des EU-Satelliten Sentinel-2 vom Sonntag waren offensichtlich verkohlte Stellen im Zentrum der Anlage in Abkaik zu erkennen. Diesen Bereich hatte die US-Denkfabrik Center for Strategic and International Studies (CSIS) im August als den Teil der Anlage identifiziert, in dem Rohöl stabilisiert wird. Ein Angriff dort könnte laut CSIS den Betrieb der Anlage stören oder beenden. Weder der saudische Staat, noch der Konzern Saudi Aramco, der die Anlage betreibt, haben sich bislang zum Ausmaß der Schäden geäußert.

Irans Präsident Hassan Ruhani wies die Anschuldigungen zurück. Die USA wollten mit ihren Vorwürfen nur davon ablenken, dass ihr Verbündeter Saudi-Arabien ständig Luftangriffe auf den Jemen fliege und Menschen töte, sagte Ruhani am Sonntag. Die USA müssten eingestehen, "dass ihre Präsenz in der Region die Probleme schafft", fügte der Präsident hinzu. Er sagte: "Wenn wir wirkliche Sicherheit in der Region haben wollen, dann muss die amerikanische Aggression aufhören."

Der iranische Präsident äußerte sich kurz vor seinem Abflug Richtung Ankara, wo er am Montag die Präsidenten Russlands und der Türkei treffen will. Bei dem Gipfel soll es offiziell um die Situation in Syrien gehen. Aber auch die Drohnenangriffe und ihre Auswirkungen auf die ohnehin fragile Situation in der Region dürften zur Sprache kommen.