Die konservative ÖVP sieht sich im Wahlkampf in Österreich als Opfer eines großangelegten Hackerangriffs. In den vergangenen Wochen sei aus der Parteizentrale eine große Menge an Daten abgezogen worden, teilten Parteichef Sebastian Kurz, Generalsekretär Karl Nehammer und der Cyber-Security-Experte Avi Kravitz laut dem ORF in einem Pressegespräch mit.

"Es gab einen sehr gezielten Hackerangriff auf die Server der Volkspartei mit dem Ziel, Daten zu entwenden, zu platzieren, zu manipulieren und zu verfälschen. Das ist nicht nur ein Angriff auf die Volkspartei, sondern auch ein Angriff auf das demokratische System", sagte Kurz. Die ÖVP hat laut ORF inzwischen den Verfassungsschutz informiert.

Laut Kravitz wurden große Datenmengen im August auf einen ausländischen Server transferiert. Das Ziel sei längere Zeit ausgespäht worden. Der oder die Hacker hätten sich Zugriff auf die Infrastruktur der ÖVP verschafft und über eine Art "goldenen Schlüssel" verfügt. Damit sei es theoretisch auch möglich gewesen, Daten zu manipulieren.

Interne Unterlagen veröffentlicht

In den vergangen Wochen waren zweimal interne Unterlagen aus der Parteizentrale in den Medien veröffentlicht worden. Zunächst war eine Liste von Parteispendern von einem anonymen Absender an den Standard geschickt worden. Die ÖVP kam der Veröffentlichung durch die Tageszeitung zuvor, indem sie die Spenderdaten selbst veröffentlichte.

Zuletzt hatte das Magazin Falter auf Grundlage interner Daten der ÖVP über mögliche Unregelmäßigkeiten bei den Wahlkampfkosten der Partei berichtet. Die ÖVP hatte die Darstellung bestritten und will rechtlich gegen das Magazin vorgehen.Datenlecks galten bisher als ungewöhnlich für die Partei.

"Das Ziel ist also, Wahres und Falsches zu verbinden und uns bei der Wahl zu schaden", sagte Kurz über die Aktivitäten der noch unbekannten Täter. Es könne nicht ausgeschlossen werden, dass ein ausländischer Geheimdienst hinter dem Angriff stecke, hieß es. 

Die Österreicher wählen am 29. September ein neues Parlament. Die ÖVP-FPÖ-Regierung war im Mai durch den Skandal um das Ibiza-Video zerbrochen.