Ein knappes Jahr nach der noch nicht aufgeklärten Tötung des Journalisten Jamal Khashoggi will Deutschland die Ausbildung von Grenzschützern in Saudi-Arabien wiederaufnehmen. Das sagte ein Sprecher des Bundesinnenministeriums der Deutschen Presse-Agentur und bestätigte damit einen Bericht des Spiegels. Gründe nannte er nicht. Wann die Ausbildung wieder beginne, müsse noch geklärt werden. Das Projektbüro der Bundespolizei in der saudi-arabischen Hauptstadt Riad sei derzeit mit drei Beschäftigten besetzt.

In einer Mitteilung des Innenministeriums wurden Sicherheitsaspekte als Gründe angeführt, die Ausbildungen fortzusetzen. "Das Projekt ist Teil einer bilateralen Zusammenarbeit im Sicherheitsbereich, da sichere Grenzen auch eine wesentliche Voraussetzung für eine wirksame Terrorismusbekämpfung in der gesamten Region darstellen", heißt es dort. Diese Begründung war auch früher schon genannt worden.

Die seit 2009 laufende Trainings- und Beratungsmission für Grenzschützer, an der sich im vergangenen Jahr insgesamt 70 deutsche Beamte beteiligten, war im Oktober 2018 nach dem Mord an Khashoggi im saudiarabischen Konsulat in Istanbul ausgesetzt worden. Die Bundespolizei schloss ihr Projektbüro daraufhin zwar nicht, laut Spiegel fanden aber auch keine Lehrgänge mehr statt.

Riad hatte nach wochenlangen Dementis unter internationalem Druck zugegeben, dass der Regierungskritiker Khashoggi von saudi-arabischen Agenten getötet worden war. Die Führung des Königreichs spricht offiziell von einem aus dem Ruder gelaufenen Einsatz zur Festnahme des Journalisten. Saudi-Arabien steht nicht nur wegen des Mordfalls Khashoggi international in der Kritik, sondern auch wegen der Menschenrechtslage im Land sowie wegen des seit 2015 andauernden Jemen-Kriegs.