Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan hat seine Drohung erneuert, die Grenzen nach Europa für syrische Flüchtlinge zu öffnen. Die Regierung in Ankara könne einen möglichen weiteren Flüchtlingszustrom aus Syrien nicht alleine schultern, sagte Erdoğan. Ähnlich hatte er sich erst kürzlich bei in einer Rede in Ankara geäußert.

Es gebe "eine neue Migrationsbedrohung" aus der letzten syrischen Rebellenhochburg Idlib entlang der türkischen Grenze, sagte Erdoğan und appellierte an die EU, genügend finanzielle Unterstützung bereitzustellen. "Entweder Sie teilen diese Last oder wir müssen die Tore öffnen", sagte der Präsident. Er argumentiert, die EU habe ihr Versprechen finanzieller Hilfen noch nicht eingehalten und statt der zugesagten 6 Milliarden Euro bislang nur 5,6 Milliarden bereitgestellt. Das Geld soll zur Verbesserung der Lebensbedingungen syrischer Flüchtlinge in der Türkei verwendet werden. Eine EU-Sprecherin sagte, das fehlende Geld werde bald folgen.

Flüchtlingszahlen in Griechenland steigen wieder

Die Türkei hat seit Beginn des Bürgerkrieges im Nachbarland Syrien 2011 etwa 3,6 Millionen Flüchtlinge aufgenommen und damit mehr als jedes andere Land der Welt. Die anfangs von einer Willkommenskultur geprägte Stimmung hat sich jedoch zuletzt gedreht, vor allem wegen der schlechten wirtschaftlichen Lage in der Türkei. 

Derweil setzten allein zwischen Freitag und Samstagmittag nach Polizeiangaben 424 Migranten von der Türkei aus auf die griechischen Inseln über. Im gesamten Monat August waren es nach Angaben des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR rund 8.100 Menschen, im August des Vorjahres nur knapp 3.200. In den für 6.000 Menschen ausgelegten Registrierlagern auf den Inseln Lesbos, Chios, Samos, Leros und Kos harren insgesamt mehr als 24.000 Menschen aus. Auf dem Höhepunkt der Flüchtlingsbewegungen 2015 hatte es Tage gegeben, an denen je etwa 7.000 Migranten von der Türkei aus auf die griechischen Inseln gelangt waren.

Das im März 2016 vereinbarte Flüchtlingsabkommen zwischen der EU und der Türkei sieht vor, dass die EU alle Migranten, die über die Türkei auf die griechischen Inseln kommen, zurückschicken kann. Im Gegenzug hat die EU Hilfszahlungen an die türkische Regierung zugesagt.