Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) hat vor der UN-Vollversammlung internationale Kooperation anstelle nationaler Alleingänge gefordert. "Zusammenarbeit ist alles andere als Verrat am eigenen Land. Sie schafft vielmehr die Voraussetzung dafür, dass es unseren Ländern gut geht", sagte er in der Generaldebatte in New York. Die Rede von Maas war eigentlich erst für Freitag geplant, wurde aber vorgezogen.

Keine einzige der großen Zukunftsfragen lasse sich von einem Land alleine lösen, sagte Maas. "Auf Globalisierung, Digitalisierung, Migration oder den menschengemachten Klimawandel finden wir nur gemeinsam Antworten." Der Außenminister betonte auch die besondere historische Verantwortung Deutschlands für internationale Zusammenarbeit: "Gerade Deutschland, vor 80 Jahren Brandstifter und Zerstörer in Europa und der Welt, muss heute in besonderer Weise Verantwortung für eine Ordnung übernehmen, die den Frieden sichert."

Maas ging damit klar auf Distanz zu US-Präsident Donald Trump, Brasiliens Staatschef Jair Bolsonaro und dem iranischen Präsidenten Hassan Ruhani. Er kritisierte eine "Logik des egoistischen Handels" in der internationalen Politik. Letztlich bedeute dies nichts anderes als "jeder gegen jeden". Trump selbst hatte in seiner Rede bei der UN-Generaldebatte einen Globalismus kritisiert, der die Staats- und Regierungschefs die Interessen ihrer eigenen Länder habe vergessen lassen. "Die Zukunft gehört nicht den Globalisten. Die Zukunft gehört den Patrioten", sagte Trump.

Der Bundesaußenminister forderte zudem Iran auf, ohne Vorbedingungen mit den USA zu sprechen. "Der einzige Weg in Richtung Entspannung sind Gespräche zwischen den USA und Iran. Das geht aber nur, wenn keine unrealistischen Vorbedingungen gestellt werden für einen solchen Dialog", sagte Maas. Irans Präsident Ruhani hatte zuvor gesagt, dass er nur mit den USA sprechen werde, wenn die Sanktionen gegen sein Land aufgehoben werden. Trump kündigte unterdessen weitere Einreisebeschränkungen gegen iranische Regierungsvertreter an.

Maas arbeitet seit Juli vergangenen Jahres an einer "Allianz für Multilateralismus". Die Allianz soll bestehende internationale Abkommen stärken, die Reform internationaler Institutionen voranbringen und eine engere Kooperation da fördern, wo es international noch Regelungsbedarf gibt. Eine große Auftaktveranstaltung dazu soll am Donnerstag mit Vertretern aus mehr als 50 Ländern stattfinden.