Der dichte Smog über den Dächern von Los Angeles galt jahrzehntelang als ebenso typisch für die Pazifikmetropole wie das Hollywood-Schild und die Luxusvillen in Beverly Hills. Seit den Vierzigerjahren litt die Stadt vor allem aufgrund der zunehmenden Autoabgase immer stärker unter grauweißen Abgaswolken. Die Sichtweite betrug teilweise weniger als drei Straßenblocks.

Doch der Bundesstaat Kalifornien ergriff schon früh drastische Gegenmaßnahmen. 1967 setzte die Politik mit dem Air Quality Act verbindliche Höchstwerte für Fahrzeugemissionen fest. Drei Jahre später bescheinigte der US-Kongress dem "Golden State" das Recht, striktere Emissionsgrenzen für zugelassene Kraftfahrzeuge festzusetzen, als sie im Rest des Landes galten. Die strengen Regelungen führten zur Verbreitung des Fahrzeugkatalysators. Seit den Achtzigerjahren hat der Smog in Los Angeles deutlich abgenommen. Die Klimapolitik aus Sacramento zeigte Erfolg.

Mehr als 50 Jahre lang hat Kalifornien den so erreichten Sonderstatus in Sachen Abgasemissionen verteidigen können. Doch nun will Präsident Donald Trump dem Bundesstaat seine Privilegien entziehen. Während eines Besuchs in San Diego kündigte er per Twitter an, dass damit Schluss sein solle. Der Entzug der Sonderrechte werde zu mehr Jobs und günstigeren sowie sichereren Autos führen, behauptete Trump.

Der Präsident und die Politik in Kalifornien hatten noch nie ein besonders gutes Verhältnis. Der bevölkerungsreichste US-Bundesstaat gilt als Zentrum des gesellschaftspolitisch liberalen Amerikas. Nur knapp 32 Prozent der Wähler stimmten hier 2016 für Trump. 2017 verweigerte Kalifornien die Zusammenarbeit mit den Bundesbehörden bei der Ausweisung nicht krimineller illegaler Einwanderer – und zog damit den Zorn des Präsidenten auf sich.

Ein Bundesstaat mit großer Strahlkraft

Den größten Dissens gibt es aber in der Umweltpolitik. Schon 2006 erließ Kalifornien weitreichende Deckelungen für den Ausstoß von Treibhausgasen. Zudem gelten in Kalifornien strikte Energie- und Wassereffizienzregeln für Neubauten. Der US-Präsident hat dagegen während der vergangenen zweieinhalb Jahre zahlreiche Umweltregulierungen außer Kraft gesetzt und ist aus den Vereinbarungen des Pariser Klimagipfels von 2016 ausgestiegen.

Trumps Attacke dürfte auch strategische Gründe haben. Kalifornien hat innerhalb und außerhalb der USA eine hohe Strahlkraft. Fast 40 Millionen Menschen leben hier. Der Bundesstaat stellt allein den fünftgrößten Wirtschaftsraum der Welt da. Die Standards, die Kalifornien setzt, werden mitunter auch in anderen Teilen der USA übernommen. Trumps Vorgehen gegen Kalifornien könnte also weitreichende nationale Folgen haben. Diese Ansicht teilt auch der demokratische Gouverneur des Bundesstaats Gavin Newsom: "Ich denke, was den Präsidenten an Kalifornien so frustriert, ist unser übergroßer Einfluss", sagte Newsom.

Diese Einschätzung ist plausibel. Kalifornien ist der wichtigste Absatzmarkt für Automobile in den USA. 13 weitere Bundesstaaten und die Hauptstadt Washington, D. C. haben zudem die Emissionsregelungen für Kraftfahrzeuge übernommen. Demnach müssen Automodelle ab 2026 mit einem Liter Benzin knapp 21 Kilometer zurücklegen. Unter den von Trump angepeilten Vorgaben wären es nur knapp 15 Kilometer.

Eine derartige Anpassung würde vor allem der stark wachsenden US-amerikanischen Ölindustrie helfen. Im vergangenen Jahr sind die Vereinigten Staaten zum größten Rohölproduzenten der Welt aufgestiegen. Laxere Regelungen zum Spritverbrauch könnten die Gewinne der Rohstoffunternehmen vergrößern. "Es geht hier nur um die Ölindustrie", wirft Gouverneur Newsom dem Präsidenten vor. Trump interessierten weder die Kunden, noch die Autohersteller.