Die beiden führenden Vertreter der Demokraten im US-Kongress haben Präsident Donald Trump zu einer Verschärfung des Waffenrechts aufgefordert. Die Sprecherin des Repräsentantenhauses Nancy Pelosi und der Fraktionschef der Demokraten im Senat Chuck Schumer verlangen in einem offenen Brief, der Präsident möge dazu beitragen, "die Epidemie von Mord und Chaos zu stoppen, die Familien und Gemeinschaften im ganzen Land erschüttert".

Pelosi und Schumer veröffentlichten den Brief just zu dem Zeitpunkt, als die Abgeordneten und Senatoren der beiden Kongresskammern aus ihrer Sommerpause zurückgekehrt sind – sowie mehrere Wochen nachdem erneut Schießereien und Amokläufe die Öffentlichkeit aufschreckten. So hatte Ende August ein vorbestrafter Schütze in Odessa im US-Bundesstaat Texas offenbar wahllos das Feuer eröffnet und sieben Menschen getötet. Zuvor hatten zwei Schützen in El Paso (Texas) und in Dayton (Ohio) insgesamt 31 Menschen getötet und zahlreiche verletzt.

Gesetz will Hintergrundprüfungen erzwingen

Solche Gewaltverbrechen sind in den USA, wo Waffen vielerorts sehr leicht zu kaufen sind, weit verbreitet. Tausende Menschen sterben jedes Jahr durch Schusswaffen. Immer wieder kommt es zu Fällen, in denen Schützen in Schulen, Einkaufszentren oder an anderen öffentlichen Orten auf Passanten feuern. Und immer wieder gibt es im Anschluss Debatten über das Waffenrecht in den USA sowie dessen Reform.

Bereits im Februar hatten die Demokraten mit ihrer Mehrheit im Repräsentantenhaus einen Gesetzentwurf verabschiedet, der Privatverkäufe von Waffen, bei denen keine Hintergrundprüfung des Käufers stattfindet, prinzipiell verbietet. Pelosi und Schumer riefen nun Trump dazu auf, Einfluss auf den von seinen Republikanern kontrollierten Senat zu nehmen, damit auch diese Kammer über den Entwurf abstimmt. Der republikanische Mehrheitsführer im Senat, Mitch McConnell, will dies jedoch erst dann veranlassen, wenn der Präsident dazu Position bezogen hat.

Trump hält sich bedeckt, Einzelhändler appellieren

Trump hatte sich tatsächlich offen für eine Verschärfung gezeigt, dann aber keine weiteren Details genannt – etwa, in welchem Umfang er plant, die Waffengesetze zu verschärfen. Stattdessen schlossen sich innerhalb weniger Tage Supermarkt- und Drogerieketten mit fast 30.000 Filialen zusammen und erklärten das offene Tragen von Waffen – außer für Polizisten – in ihren Läden ab sofort als unerwünscht. Gestartet hatte die Initiative der Einzelhandelskonzern Walmart, gefolgt von den Drogerie- und Apothekenketten Walgreens und CVS sowie den Supermarktketten Kroger und Wegmans.

Die National Rifle Association (NRA) – eine der mächtigsten Lobbygruppen in den USA – rief ihre Mitglieder zu einem Boykott dieser Läden auf. "Es ist beschämend zu sehen, dass sich Walmart dem Druck der Anti-Waffen-Eliten beugt", hatte die NRA mitgeteilt. Kunden würden sich anderen Händlern zuwenden, "die die amerikanischen Grundrechte mehr unterstützen". CVS zum Beispiel erklärte jedoch: "Wir unterstützen die Bemühungen der Individuen und Gruppen, die daran arbeiten, Gewalt mit Schusswaffengebrauch zu verhindern."