Der ukrainische Außenminister Wadim Pristaiko hat Vorwürfe gegen US-Präsident Donald Trump zurückgewiesen, dieser habe vom ukrainischen Staatschef Wolodymyr Selenskyj verlangt, belastende Informationen über Joe Bidens Sohn zu sammeln. In einem Fernsehinterview sagte er, bei dem fraglichen Telefonat zwischen den beiden Staatsoberhäuptern habe es sich um ein "langes und freundschaftliches Gespräch" gehandelt.

"Ich weiß, worüber sie gesprochen haben, und ich denke, dass es keinen Druck gab", sagte Pristaiko dem ukrainischen Sender Hromadske. Es sei um "viele Fragen" gegangen, "auf die in bestimmten Fällen sehr ernste Antworten gegeben werden mussten." Die Forderung nach der Veröffentlichung des Gesprächsprotokolls wies der Minister zurück. Die Ukraine habe als uanbhängiges Land das Recht, Staatsgeheimnisse zu bewahren.

US-Medien hatten berichtet, Trump habe am 25. Juli mit Selenskyj telefoniert und dabei kompromittierende Informationen über Bidens Sohn Hunter Biden verlangt. Joe Biden, der sich aktuell um die Präsidentschaftskandidatur der Demokraten bei der Wahl im kommenden Jahr bewirbt, forderte daraufhin von Trump, den Wortlaut des Gesprächs umgehend zu veröffentlichen.

"Wenn diese Anschuldigungen wahr sind, dann kennt die Bereitschaft von Präsident Trump, seine Macht zu missbrauchen und unser Land zu demütigen, keine Grenzen", sagte Biden. Der ehemalige US-Vizepräsident sprach von "klarer Korruption". Es sei "das Mindeste", dass Trump "sofort die Mitschrift des betreffenden Anrufs veröffentlicht, damit das amerikanische Volk selbst urteilen kann."  

Trump beruft sich auf Vorwürfe gegen Biden

Trump wies den Vorwurf zurück und bestritt ebenfalls, dass er Selenskyj ein unangemessenes und geheim gehaltenes "Versprechen" gegeben haben soll. Er nannte den Verdacht "lächerlich". Die Unterhaltung sei nicht "heikel", sondern "völlig angemessen" gewesen.

Das Wall Street Journal berichtete, Trump habe in dem Telefonat "etwa acht Mal" versucht, Selenskyj auf Informationen über die Aktivitäten von Hunter Biden anzusetzen. Dieser hatte 2014 damit begonnen, als Mitglied des Verwaltungsrates für die ukrainische Gasfirma Burisma zu arbeiten. Joe Biden übte 2016 Druck auf die Ukraine aus, den damaligen Generalstaatsanwalt Wiktor Schokin zu entlassen. Davon soll er die Auszahlung eines Milliardenkredits der USA abhängig gemacht haben.

Bei Burisma soll es Fälle von Korruption gegeben haben. Hunter Biden wurden allerdings nie persönliche Vorwürfe gemacht – was Trump nicht zu überzeugen scheint: "Das sollte sich jemand anschauen", sagte er in einem Interview.

Trump soll Militärhilfe zurückgehalten haben

Die Vorwürfe gegen Trump basieren auf den Aussagen eines Geheimdienstmitarbeiters, der das fragliche Telefonat planmäßig mitgehört und dann seinen Vorgesetzten informiert haben soll. Die Weitergabe einer solchen Meldung an den US-Kongress wird vom US-Geheimdienstkoordinator Joseph Maguire blockiert. Diesen setzte Trump erst vor wenigen Wochen ein, nachdem er mit dessen Vorgänger Dan Coats wiederholt Meinungsverschiedenheiten in Sicherheitsfragen hatte.

Bereits Anfang September hatten drei Ausschüsse des Repräsentantenhauses angekündigt, mutmaßliche Versuche Trumps untersuchen zu wollen, für parteipolitische Zwecke Druck auf die ukrainische Regierung auszuüben – unter anderem mit der Drohung, Ende Juli angekündigte Militärhilfen der USA an die Ukraine im Wert von 250 Millionen Dollar zurückzuhalten. Erst vergangene Woche wurde die Zahlung vom Weißen Haus freigegeben.