US-Präsident Donald Trump hat mehreren US-Medien zufolge am 25. Juli mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj telefoniert: Dabei soll er mehrfach verlangt haben, kompromittierende Informationen über Hunter Biden herauszugeben. Hunter ist der Sohn von Joe Biden, der sich gerade um die Präsidentschaftskandidatur der Demokraten bewirbt und gute Chancen hat, Trumps Herausforderer bei der Wahl 2020 zu werden.

Das Wall Street Journal berichtete, Trump habe in dem betreffenden Telefonat "etwa achtmal" versucht, Selenskyj auf die Aktivitäten von Hunter Biden anzusetzen, der während Bidens Amtszeit als US-Vizepräsident seit 2014 für eine ukrainische Gasfirma arbeitete. Zu diesem Zweck habe Trump Selenskyj aufgefordert, mit seinem Anwalt Rudy Giuliani zusammenzuarbeiten. 

Wie die New York Times berichtet, sollen die USA zu der Zeit, als Trump die Ukraine wegen der Informationen bedrängte, ihre Militärhilfen an das Land für Wochen eingefroren haben. Im Osten der Ukraine kämpfen nach wie vor von Russland unterstützte Separatisten.

"Wenn diese Anschuldigungen wahr sind, dann kennt die Bereitschaft von Präsident Trump, seine Macht zu missbrauchen und unser Land zu demütigen, keine Grenzen", sagte Biden. Der ehemalige US-Vizepräsident sprach von "klarer Korruption". Das Mindeste sei es, dass Trump "sofort die Mitschrift des betreffenden Anrufs veröffentlicht, damit das amerikanische Volk selbst urteilen kann".

Aufgedeckt wurden Trumps Gespräch und sein Inhalt durch einen Whistleblower aus dem Geheimdienstapparat – eigentlich ein Fall für den Kongress. Doch laut Washington Post sorgte der geschäftsführende Nationale Geheimdienstdirektor Joseph Maguire dafür, dass der Kongress nicht über den Inhalt des Telefonats informiert wurde.

Trump nannte den gegen ihn laut Washington Post von einem Geheimdienstmitarbeiter erhobenen Verdacht "lächerlich". Die Unterhaltung mit dem ausländischen Politiker, um die es gehe, sei nicht "heikel", sondern "völlig angemessen gewesen". Im Kurzbotschaftendienst Twitter sprach Trump von einer Attacke der "radikal-linken Demokraten".

Pelosi sieht nationale Sicherheit durch Vorfall gefährdet

Die Demokraten im Kongress reagierten empört. Die Sprecherin des Repräsentantenhauses, die Demokratin Nancy Pelosi, sprach von einem Vorfall, der "gravierende und dringliche Fragen für unsere nationale Sicherheit" aufwerfe. Im Kongress hatte es am Donnerstag eine geschlossene Anhörung dazu gegeben, kommende Woche soll eine öffentliche Sitzung folgen. Die Regierung hält konkrete Informationen zu der Beschwerde bislang allerdings zurück. Der Generalinspekteur der Geheimdienste stufte die Beschwerde als glaubwürdig ein.

Biden ist der Favorit bei den Demokraten für die Präsidentschaftskandidatur. Sollte der 76-Jährige das parteiinterne Auswahlverfahren gewinnen, würde er gegen den Republikaner Trump bei der Präsidentschaftswahl im nächsten Jahr antreten.

Mueller-Report - "Niemand steht über dem Gesetz" Sonderermittler Robert Mueller sagt vor dem US-Kongress aus. Entlastend für Donald Trump war sein Ermittlungsbericht zur Russland-Affäre keineswegs. Was darin steht, sehen Sie hier im Video.