Nach Worten von Irans oberstem Religionsführer Ajatollah Ali Chamenei hätte das Land Atomwaffen bauen können, hat aber aus religiösen Gründen davon abgesehen. "Wir hätten auch diesen Weg einschlagen können, aber nach den islamischen Vorschriften ist ein Atomwaffenprogramm absolut verboten", sagte Chamenei bei einem Vortrag vor iranischen Wissenschaftlern. 

Das Land habe nicht vor, diesen Vorschriften zuwiderzuhandeln, und habe sich "entschlossen und mutig" dagegen entschieden, nach dem Besitz von Atomwaffen zu streben. Den Lehren des Islam zufolge seien schon der Bau und das Ansammeln von Atomwaffen "schlecht", ihr Einsatz aber sei "haram", das arabische Wort für "verboten". Wenn der Iran Atomwaffen hätte, könnte er sie "selbstverständlich nirgendwo einsetzen", sagte Chamenei.

Chamenei hat in einem Dekret den Bau und die Benutzung jeglicher Massenvernichtungswaffen für verboten erklärt, weil sie eine "Bedrohung für die Menschheit" seien. Das Dekret des Ajatollah, der laut Verfassung die höchste Institution im Staat ist und das letzte Wort in allen strategischen Belangen hat, soll nach iranischen Angaben auch den Vereinten Nationen (UN) vorliegen.

Iran könnte im November aus dem Atomabkommen aussteigen

Die fünf Vetomächte des UN-Sicherheitsrats – USA, Russland, Großbritannien, Frankreich und China – sowie Deutschland hatten 2015 mit dem Iran ein Abkommen geschlossen, demzufolge das iranische Atomprogramm im Tausch gegen die Aufhebung von Wirtschaftssanktionen international überwacht werden sollte. Nach dem einseitigen Ausstieg der USA aus dem Abkommen im Mai 2018 hatte der Iran in mehreren Schritten Bestimmungen des Atomabkommens verletzt.  

So installierte der Iran neue Zentrifugen zur Urananreicherung und begann damit, den radioaktiven Stoff über die 3,67-Prozentgrenze, die das Abkommen gesetzt hatte, anzureichern. Die nächste Stufe des Teilausstiegs aus dem Abkommen ist für November geplant. Sie könnte die finale Stufe sein und damit auch ein Ende des Abkommens bedeuten, wie der Sprecher der iranischen Atomorganisation (AEOI), Behrus Kamalwandi, Anfang September erklärt hatte. Nach Angaben iranischer Behörden wird das Atomprogramm zur Energiegewinnung und für medizinische Zwecke benötigt. 

Die Regierung in Teheran fordert in erster Linie die Aufhebung von US-Sanktionen. US-Präsident Donald Trump will den Iran durch die Sanktionen zwingen, das Abkommen neu auszuhandeln, und härteren Auflagen zuzustimmen, als die, denen der Iran 2015 zugestimmt hatte.