Katalonien - Gewalt bei Protesten in Barcelona Bei Demonstrationen in Barcelona ist es zu gewaltsamen Auseinandersetzungen gekommen. Die Polizei setzte Tränengas ein. © Foto: Reuters/Albert Gea

Barcelona hat die gewalttätigste Nacht seit dem Wiederaufflammen des katalanischen Unabhängigkeitskonflikts erlebt. Die Zusammenstöße zwischen Separatisten und der Polizei ließen in der Regionalhauptstadt erst nach Mitternacht nach. Es war bereits die fünfte Nacht in Serie, in der teils mit Gewalt gegen die Verurteilung von neun Separatistenführern der abtrünnigen Region im Nordosten Spaniens demonstriert wurde.

Am Montag waren Politiker und Aktivisten zu Gefängnisstrafen verurteilt worden, weil sie 2017 ein Referendum zur Unabhängigkeit von Katalonien versucht hatten, was laut spanischer Gesetze illegal ist. Seither wird in Barcelona und anderen Städten der Region für deren Freilassung demonstriert.

Der katalanische Innenminister Miquel Buch sagte in mehreren Fernsehsendern in der Nacht zum Samstag, "eine solche extreme Gewalt" habe man in Katalonien so "noch nie gesehen". "Das sind natürlich keine Separatisten, das sind Gewalttätige", die es aber nicht schaffen würden, die Befürworter der Unabhängigkeit "zu besudeln", so der Vertreter der separatistischen Regionalregierung.

Mindestens 15 zum Teil minderjährige Aktivisten seien am Freitag allein in Barcelona festgenommen worden, teilten die regionalen Sicherheitsbehörden mit. In ganz Katalonien habe es insgesamt 31 Festnahmen gegeben. Unruhen gab es am Freitag auch in anderen katalanischen Städten wie Tarragona, Lleida und Girona. Mindestens 60 Menschen wurden den amtlichen Angaben nach in Barcelona verletzt, darunter drei Polizisten und zwei Journalisten.

Die Zahl der gewalttätigen Demonstrantinnen und Demonstranten wurde auf mehr als 4.000 geschätzt. Unter ihnen seien rund 400 organisierte Chaoten gewesen, wie Innenminister Fernando Grande-Marlaska sagte. Die Behörden vermuten, dass einige von ihnen aus anderen Regionen Spaniens und möglicherweise auch aus dem Ausland angereist seien. Grande-Marlaska warnte, man werde das Strafrecht gegen Gewalttätige "mit aller Härte anwenden". Haftstrafen von bis zu sechs Jahren seien möglich.

Vermummte und dunkel gekleidete Antifa-Aktivisten, die in dieser großen Zahl erst seit Kurzem an den Separatistenprotesten teilnehmen, errichteten auch am Freitagabend brennende Barrikaden. Sie rissen Verkehrsschilder aus, setzten Müllcontainer in Brand und bewarfen die Polizistinnen und Polizisten mit Steinen, Eiern und anderen Gegenständen. Die Polizei setzte unter anderem Gummigeschosse, Tränengas und erstmals auch Wasserwerfer ein. Der öffentlich-rechtliche TV-Sender RTVE sprach von einer "wahren Schlacht"

Vor den Krawallen demonstrierten Hunderttausende friedlich

Bevor es in der Nacht zu Samstag zu Ausschreitungen kam, hatten im Zentrum von Barcelona Hnderttausende friedlich für die Freilassung der Verurteilten und für das Recht auf Selbstbestimmung der Katalanen demonstriert. Die Stadtpolizei schätzte die Teilnehmerzahl auf 525.000. Bei der Hauptkundgebung auf dem Prachtboulevard Passeig de Gràcia forderten sie die Freilassung der "politischen Gefangenen".