Der britische Premier glaubt Berichten zufolge nicht mehr an eine Einigung in den Brexit-Verhandlungen. Boris Johnson sei bereit, die Gespräche mit der EU aufzugeben, wie unter anderem der Guardian und die BBC unter Berufung auf Regierungskreise berichten. Die Regierung halte eine Einigung für "unmöglich, nicht nur jetzt, sondern überhaupt", hieß es.

Hintergrund ist den Berichten zufolge ein Telefonat des britischen Premiers mit Bundeskanzlerin Angela Merkel. In dem Gespräch soll Merkel eine Einigung als unwahrscheinlich bezeichnet haben. Die Kanzlerin habe für eine Einigung darauf bestanden, dass Nordirland in einer Zollunion mit der EU und dem Binnenmarkt verbleibe. Das sei für die britische Regierung eigenen Angaben zufolge ein "klärender Moment" gewesen, berichteten BBC und Guardian weiter.

Die Bundesregierung wollte sich auf Anfrage von ZEIT ONLINE nicht zu dem Inhalt des Gesprächs äußern.

Brexit - Angela Merkel soll an Einigung für Brexit-Deal zweifeln In einem Telefonat mit dem britischen Premier Boris Johnson soll die Kanzlerin ein Brexit-Abkommen als unwahrscheinlich bezeichnet haben. Das berichten britische Medien. © Foto: Michael Sohn

Der britische Premierminister hatte am vergangenen Mittwoch neue Vorschläge für den Ausstiegsvertrag mit der EU vorgelegt. Er will dafür sorgen, dass der sogenannte Backstop aus dem Austrittsabkommen gestrichen wird. Die Regelung sieht vor, dass Großbritannien als Ganzes mit der EU in einer Zollunion bleibt, sollte keine andere Lösung gefunden werden. Johnson lehnt dies ab, weil er seiner Meinung nach Großbritannien dauerhaft an die EU binden würde.

EU-Ratspräsident warnt Johnson

Derzeit beraten die Unterhändler der EU-Kommission und Großbritanniens in Brüssel, um den drohenden Brexit ohne Austrittsvertrag am 31. Oktober noch abzuwenden. Ein No-Deal-Brexit hätte gravierende Folgen für die Volkswirtschaften.

EU-Ratspräsident Donald Tusk warf Johnson vor, mit der Zukunft Europas zu spielen. "Es geht um die Zukunft Europas und Großbritanniens sowie um die Sicherheit und die Interessen unserer Bürger", schrieb Tusk auf Twitter. Es geh nicht darum, ein "dummes Schwarzer-Peter-Spiel zu gewinnen".

Die schottische Regierungschefin Nicola Sturgeon warf der britischen Regierung vor, die Schuld für das "Brexit-Fiasko" auf Merkel schieben zu wollen. Das sei "erbärmlich durchschaubar", kritisierte sie auf Twitter.

Die nordirische Partei DUP, die Johnsons Kurs unterstützt, bezeichnete die angeblichen Aussagen Merkels als inakzeptabel. Von Großbritannien zu verlangen, einen Teil seines Territoriums in einer Zollunion mit der EU zu lassen, sei "jenseits des Wahnsinns", ließ die DUP-Vorsitzende Arlene Foster mitteilen.