• Das britische Unterhaus verschiebt seine Abstimmung über das neue Brexit-Abkommen. 322 Abgeordnete stimmten für den sogenannte Letwin-Antrag, der Premierminister Boris Johnson dazu zwingen soll, bei der EU einen weiteren Brexit-Aufschub bis zum 31. Januar zu beantragen.
  • Die Abgeordneten wollen am kommenden Montag erneut über den Brexit debattieren. Ob Johnson bei einer Abstimmung über seinen Austrittsvertrag eine Mehrheit bekommen würde, ist unklar. Die nordirische DUP etwa hatte angekündigt, geschlossen gegen den Vertrag stimmen zu wollen. Einige Labour-Abgeordnete wollen das Abkommen hingegen annehmen.
  • In London waren parallel zur Debatte im Unterhaus Zehntausende Brexit-Gegner auf der Straße.
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Franziska Pröll
Die entscheidende Abstimmung über das neue EU-Austrittsabkommen ist vertagt. Die Sitzung des Unterhauses ist beendet.

Eine Mehrheit der britischen Abgeordneten hatte gegen den Wunsch der Regierung gestimmt, den von Johnson nachverhandelten Austrittsvertrag schon jetzt zu billigen. Die Entscheidung wurde verschoben, bis das Gesetz zur Ratifizierung des Vertrags steht. Hintergrund ist das Misstrauen vieler Abgeordneter gegenüber Johnson. Sie sahen die Gefahr, dass das Gesetz noch scheitert und am 31. Oktober doch ein ungeordneter Brexit drohen könnte.

Johnson ist nun per Gesetz gezwungen, bei der EU eine Fristverlängerung zu beantragen. Johnson sagte jedoch direkt nach dem Unterhausvotum, er werde mit der EU nicht über eine Verlängerung verhandeln. Er werde sich weiter für einen pünktlichen Austritt am 31. Oktober einsetzen. Dafür werde er kommende Woche das Gesetz zur Ratifizierung des Abkommens einbringen. Denkbar ist, dass dieses Gesetz bis Dienstag entscheidende parlamentarische Hürden nimmt und Johnson den Deal doch noch durchbekommt.

Johnsons Zeitplan ist sehr riskant. Denn nach dem Unterhaus muss auch das Europaparlament das Abkommen noch rechtzeitig ratifizieren. Würde der Premierminister den Antrag zur Verschiebung nicht stellen, könnte das ein gerichtliches Nachspiel haben. Der Court of Session im schottischen Edinburgh will am Dienstag tagen, falls es nötig sein sollte.

Die EU würde einer erneuten Fristverlängerung wohl zustimmen.

Damit beenden wir dieses Liveblog.
Rieke Havertz
Kurz vor BigBen findet die Demo ihr Ende. Auf der Bühne schwören Redner die Menge noch einmal auf einen "No Brexit" ein. Trillerpfeifen ertönen noch einmal, Jubel-Rufe ebenso, an einer Ecke wird schon Musik gespielt.

Durch die Bühne und die Absperrung entsteht eine Sackgasse, so dass sich am Ende dieses langen, friedlichen Protests noch einmal ein Blau-gelbes Meer zurück in die Innenstadt ergießt.

Der Guardian zitiert die Veranstalter, die von einer Million Teilnehmerinnen und Teilnehmern sprechen. Viele von ihnen, die mit ihren Protestschildern unter dem Arm Richtung U-Bahn strömen, lachen. Es war ein guter Tag für sie. 
Jurik Caspar Iser
Das sind die sechs Labour-Abgeordneten, die mit der Regierung von Boris Johnson stimmten:
Bild: Screenshot/commonsvotes.digiminster.com
Franziska Pröll
EU-Vertreter halten sich noch bedeckt. Der Brexit-Beauftragte des EU-Parlaments, Guy Verhofstadt, kündigt an, zu prüfen, welche Auswirkungen die heutige Abstimmung habe.
Die Sprecherin der EU-Kommission, Mina Andreeva, fordert die britische Regierung auf, die EU "so schnell wie möglich" über ihre nächsten Schritte zu informieren.
Sasan Abdi-Herrle
"Der Premierminister wird nicht um eine Fristverlängerung bitten", teilt die Konservative Partei mit. Johnson werde den Staats- und Regierungschefs vielmehr mitteilen, dass es keine weiteren Verzögerungen geben solle – und dass der Brexit zum 31. Oktober vollzogen werden sollte.

Er wird den Brief also wohl wie erforderlich bis 23 Uhr schicken, gleichzeitig aber seinen abweichenden Standpunkt klarmachen.
Jurik Caspar Iser
Johnsons Reaktion auf das Abstimmungsergebnis im Video:
Sasan Abdi-Herrle
Jean-Claude Juncker hofft nach der Entscheidung des Unterhauses auf eine rasche Erklärung aus London. "Es ist an der britischen Regierung, uns so schnell wie möglich über die nächsten Schritte zu informieren", sagte Junckers Sprecherin Mina Andreeva. Zugleich betonte sie, dass bisher nicht über die Brexit-Einigung selbst abgestimmt worden sei.
Franziska Pröll
So haben die Abgeordneten im Unterhaus über den Änderungsantrag von Oliver Letwin abgestimmt:
Bild: commonsvotes.digiminster.com
Die Labour-Partei stimmte nicht geschlossen für den Antrag: Sechs Abgeordnete votierten mit No.

Die Tory-Fraktion stellte sich geschlossen gegen den Vorstoß von Letwin.

Bei der nordirischen DUP war es genau umgekehrt. Alle zehn Abgeordneten stimmten dafür.
Rieke Havertz
Bild: Kalpesh Lathigra/ZEIT ONLINE
Gibt es an diesem Tag in London überhaupt einen Brexit-Anhänger? Ja.

Als der Regen in London doch noch einsetzt, steht Eric McQuaid unter einem Dachvorsprung etwas abseits von Trafalgar Square. Das Tweetjackett mit Einstecktuch sitzt, die braunen Schuhe, "von Marks & Spencer", ohne Fleck. Er beobachtet die Masse mit verschränkten Armen. "Das bringt nichts", sagt McQuaid. "Die Menschen hatten eine Wahl, und die war entscheidend."

Ob er für Remain oder Leave gestimmt hat, will er nicht direkt sagen, aber er widerspricht nicht, als ich auf Leave tippe. Die Politik der vergangenen drei Jahre verfolgt er "bis zu einem gewissen Grad". In der Stadt war er heute, weil er eine Ausstellung besuchen wollte. Vor dem Regenschauer war er auf dem Weg zu seinem Gentlemen-Club, um einen Tee zu trinken. 


Rieke Havertz
Eine einzige dunkle Regenwolke hängt über Trafalgar Square. Ein schlechtes Omen? Aus Sicht der Demonstranten offenbar nicht, denn in dem Moment kommen die Eilmeldungen über die Abstimmung im Parlament, die Boris Johnson in die Brexit-Verhandlungen zwingt.