Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) will noch in diesem Jahr ein Gipfeltreffen zum Bürgerkrieg in Libyen in Berlin veranstalten. "Wir wollen das versuchen", sagte er bei einem Blitzbesuch in dem Land. Vorher soll es noch ein Treffen auf Expertenebene geben, bei dem die Voraussetzungen für den Gipfel geschaffen werden sollen. "Es ist kompliziert, es ist auch langwierig und mühselig. Aber wer sich die Lage in Libyen anschaut, muss zu dem Ergebnis kommen, dass es notwendig ist, es zu versuchen", sagte der Außenminister.

Seitdem 2011 mit westlicher Hilfe der langjährige Machthaber Muammar al-Gaddafi gestürzt wurde, kämpfen zahlreiche Milizen um Einfluss in dem nordafrikanischen Land. So liefern sich regierungstreue Truppen und Einheiten des abtrünnigen Generals Chalifa Haftar erbitterte Kämpfe um die Vorherrschaft. Nach UN-Angaben wurden bisher mehr als tausend Menschen getötet und rund 120.000 Menschen vertrieben. Diplomatische Versuche, zwischen der Regierung in Tripolis und dem Parlament im ostlibyschen Tobruk zu vermitteln, scheiterten bislang.

Maas: "Ausländische Einflüsse" sind "fundamentales Problem" in Libyen

In den Konflikt sind Staaten wie die Vereinigten Arabischen Emirate, die Türkei und Ägypten involviert. Ihnen wird vorgeworfen, in Libyen einen Stellvertreterkrieg zu führen. Während die Vereinigten Arabischen Emirate, Ägypten und Saudi-Arabien Haftar unterstützen sollen, würden die Türkei und Katar auf der Seite der Einheitsregierung stehen.

Die beteiligten Länder wären damit auch potenzielle Teilnehmer an einem Gipfeltreffen. Außerdem spielen die USA, Russland, China, Frankreich und Großbritannien als ständige Mitglieder im UN-Sicherheitsrat für die Konfliktlösung eine maßgebliche Rolle. Deutschland versucht seit September in dem Konflikt zu vermitteln. Unter anderem geht es darum, einen Stellvertreterkrieg wie in Syrien zu verhindern und Waffenlieferungen in das Land zu unterbinden.

Die "ausländischen Einflüsse" seien ein "fundamentales Problem" der libyschen Krise, sagte der Maas. Der Minister äußerte sich bei einer Pressekonferenz zusammen mit seinem libyschen Kollegen Mohamed Taha Siala und dem UN-Sondergesandten für Libyen, Ghassan Salamé. Die drei hatten zuvor gemeinsam den Chef der international anerkannten libyschen Einheitsregierung, Fajis al-Sarradsch, getroffen.

Bisher vermittelt der UN-Sondergesandte Ghassan Salamé im Libyen-Konflikt. Er hat im Sommer einen dreistufigen Friedensplan vorgelegt, der eine Waffenruhe, eine internationale Libyen-Konferenz in Deutschland und eine weitere Konferenz der libyschen Konfliktparteien vorsieht. Bisher gibt es noch keinen Termin für die Konferenz in Berlin, sie könnte aber laut Außenminister Siala Ende November oder Anfang Dezember stattfinden. Maas unterstrich, dass Deutschland den Plan von Salamé unterstütze. Nötig sei es, den politischen Prozess wieder zu reaktivieren, um zu einem dauerhaften Frieden in dem Land zu kommen, sagte er.