Chiles Präsident Sebastián Piñera hat wegen der Unruhen im Land die UN-Klimakonferenz abgesagt. Nach mehr als zehn Tagen teils gewaltsamer Proteste gegen soziale und wirtschaftliche Ungleichheit verzichte seine Regierung auf die Organisation der Klimakonferenz COP25 sowie des Gipfeltreffens des Asiatisch-Pazifischen Wirtschaftsforums (Apec), sagte Piñera. Es sei eine "äußerst schmerzvolle" Entscheidung gewesen, sagte der konservative Staatschef. Der Apec-Gipfel sollte am 16. und 17. November und die UN-Konferenz vom 2. bis 13. Dezember in der Hauptstadt Santiago de Chile stattfinden.

Die Proteste waren durch einen Anstieg der U-Bahn-Preise ausgelöst worden. Einige Demonstrierende fordern eine bessere Gesundheitsversorgung, höhere Löhne, gute Renten und einen besseren Zugang zu Bildung.

Bund wirbt für Standort Bonn

Nach der Absage von Chile hat der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (Bund) die Bundesregierung aufgefordert, die Initiative zu ergreifen. "Der Klimagipfel muss so schnell wie möglich nachgeholt werden. Es wäre gut, wenn die Bundesregierung den UN-Standort Bonn anbietet – ähnlich wie schon vor drei Jahren. In Bonn wäre es sehr einfach, in kurzer Zeit eine solche Konferenz stattfinden zu lassen", sagte die Bund-Klima-Expertin Ann-Kathrin Schneider ZEIT ONLINE.

Auf dem Klimagipfel sollten die Länder ihre nationalen Klimaschutzpläne verbessern und den Emissionshandel überarbeiten. "Das sind entscheidende Fragen zur Umsetzung und Verbesserung des Pariser Klimaabkommens und da können wir nicht warten", sagte Schneider.

Entwicklungsminister will Klimakonferenz alle zwei Jahre

Entwicklungsminister Gerd Müller warb nach der Absage erneut dafür, die Klimakonferenzen nur noch alle zwei Jahre stattfinden zu lassen. Die Absage sei bedauerlich, aber auch eine Gelegenheit, über das Format nachzudenken, sagte der CSU-Politiker. "Es kann nicht zeitgemäß sein, dass jedes Jahr 20.000 Menschen für 14 Tage einmal um den halben Globus fliegen." Müllers Vorschlag: "Auf hochrangiger Ebene finden die Treffen nur noch alle zwei Jahre statt." Dazwischen sollten die Experten regelmäßig in kleineren Formaten arbeiten.

Das Auswärtige Amt in Berlin hatte wegen der Proteste eine Warnung für Chile öffentlich gemacht. Reisende wurden zu besonderer Vorsicht aufgerufen. Öffentliche Plätze und Menschenansammlungen seien zu vermeiden, es könne zu weiteren Ausschreitungen besonders in größeren Städten kommen.

Ursprünglich hatte Brasilien die 25. UN-Klimakonferenz ausrichten wollen. Ende November 2018 gab die Regierung in Brasília unter Verweis auf die angespannte Haushaltslage jedoch den Verzicht auf die Gastgeberrolle bekannt. Hintergrund war Kritikern zufolge vor allem der bevorstehende Amtsantritt des ultrarechten Präsidenten Jair Bolsonaro, der als Klimawandelskeptiker bekannt ist.