Atomgespräche - “Die USA haben uns sehr enttäuscht” Der Verhandlungsführer Nordkoreas hat den USA Unbeweglichkeit in den Gesprächen über eine Denuklearisierung vorgeworfen. Der US-Außenminister widersprach den Äußerungen. © Foto: Jung Yeon-Je/​AFP/​Getty Images

Nordkorea hat die wieder aufgenommenen Atomgespräche mit den USA abgebrochen. Dies teilte der nordkoreanische Verhandlungsführer Kim Myong Gil der schwedischen Zeitung Dagens Nyheter mit. "Wir sind enttäuscht von den USA. Die Verhandlungen haben unsere Erwartungen nicht erfüllt und wurden deshalb abgebrochen", sagte der Unterhändler den Reporterinnen und Reportern in Stockholm, wo die Gespräche stattfanden. Es liege nun an der USA, den Dialog wieder aufzunehmen. 

Das US-Außenministerium teilte hingegen mit, die mehr als acht Stunden langen Gespräche seien "gut" gewesen. Die amerikanische Seite habe die schwedische Einladung angenommen, in zwei Wochen zu einer weiteren Gesprächsrunde zusammenzukommen.

Kim Myong Gil kritisierte, die USA habe in den Verhandlungen an ihrer "üblichen Haltung" festgehalten. Die Gespräche hätten keinerlei Fortschritte gebracht, die USA hätten nichts mit an den Verhandlungstisch gebracht. Die Amerikaner wiesen jedoch darauf hin, dass "70 Jahre Krieg und Feindseligkeit auf der koreanischen Halbinsel" nicht innerhalb eines Tages beseitigt werden könnten.

Auch US-Außenminister Mike Pompeo hatte sich vor dem Gesprächsabbruch zuversichtlich gezeigt und Fortschritte in den Atomgesprächen in Aussicht gestellt. Nach langem Stillstand sollte dieser erste Austausch die Grundlage für Verhandlungen "in den kommenden Wochen und Monaten" bilden. Pompeo meinte, die USA hätten eine Reihe von Ideen zu dem Gespräch mitgebracht, und appellierte an Nordkoreas "Willen, Fortschritte zu machen".

Verhandlungen stehen still

Die Verhandlungen über die nukleare Abrüstung Nordkoreas kommen seit Monaten nicht von der Stelle. Die USA und westliche Verbündete fordern eine Denuklearisierung der koreanischen Halbinsel und eine Einschränkung der Raketen- und Waffenprogramme des ostasiatischen Landes.  

Das Gipfeltreffen in Hanoi im Februar dieses Jahres haben US-Präsident Donald Trump und Kim Jong Un ohne eine Einigung abgebrochen. Die USA haben wiederholt gefordert, dass Nordkorea sein Atomwaffenarsenal vollständig, unumkehrbar und nachprüfbar aufgibt. Im Gegenzug verlange die Führung in Pjöngjang die Aufhebung der US-Sanktionen gegen Regierungsmitglieder sowie den Abzug der US-Truppen aus Südkorea. Laut US-Regierungskreisen habe Nordkorea jedoch lediglich angeboten, Teile der Atomanlage Yongbyon stillzulegen.

Ende Juni trafen sich Trump und Kim in der entmilitarisierten Zone zwischen Nord- und Südkorea. Dabei einigten sie sich auf eine Fortsetzung der Gespräche auf Arbeitsebene. Vor wenigen Tagen hatten beide Staaten dann mitgeteilt, diesen Samstag die Gespräche wieder aufnehmen zu wollen.

Spiel auf Zeit und Raketentests

Einige Expertinnen und Experten beurteilen Trumps Verhandlungsstrategie kritisch. Sie glauben, Kim spiele dabei nur auf Zeit, um sein Atomwaffenarsenal zu verbessern. Der kürzlich von Trump entlassene nationale Sicherheitsberater John Bolton etwa hat Anfang der Woche gesagt, Nordkorea werde trotz Gipfeltreffens und Verhandlungen sein Atomwaffenprogramm "nie freiwillig aufgeben". 

Nordkorea hat in den vergangenen Wochen mehrfach Raketentests vorgenommen. Wegen seines Raketen- und Atomprogramms wird Pjöngjang seit Jahren von der internationalen Gemeinschaft mit Sanktionen belegt; der Konflikt gilt als einer der gefährlichsten weltweit.