Mit einer Mischung aus Stolz und Schadenfreude trat Donald Trump am Sonntag vor die Presse. Er verkündete, dass Abu Bakr al-Bagdadi, Anführer des sogenannten "Islamischen Staats", "brutal eliminiert" wurde. Er habe "gewinselt und geweint", bevor er seine Sprengstoffweste gezündet habe. Wie ein "Hund" sei er gestorben, wie ein "Feigling". Die detailreiche Schilderung von Al-Bagdadis Ableben schien dem US-Präsidenten sichtlich zu gefallen.

Trump macht keinen Hehl aus der rohen Gewalt, mit der die USA ihre sicherheitspolitischen Interessen durchsetzen. Als Barack Obama 2011 in einer kurzen Rede die Tötung Osama Bin Ladens bekannt gab, vermied der damalige US-Präsident blutrünstige Schilderungen der Operation und überließ die Spontanfeierlichkeiten zum Tod des Terroristenführers fahnenschwenkenden "Patrioten" vor dem Weißen Haus.

Ganz anders Trump. Das dürfte nicht jeder gutheißen, doch der US-Präsident bringt zumindest ein wenig Ehrlichkeit in das schmutzige Geschäft des Kriegs. Während seine Amtsvorgänger ihre ebenso rücksichtslose Militärpolitik teils hinter blumigen Worten versteckten, zeigt Trump mit seiner Kraftmeierei, dass Krieg eben schmutzig und brutal ist.

Trumps Schadenfreude: ein Beitrag zur Entzauberung des IS?

Zur rechtlichen Grundlage des Angriffs in Syrien stellte am Sonntag übrigens kein Reporter eine Frage. Stattdessen erkundigte sich ein Journalist danach, wie Trump denn das Winseln und Weinen über die Funkverbindung zu den US-Soldaten im Einsatz wahrgenommen haben wolle.

Allerdings ist das Winseln – insofern es ein solches denn nun wirklich gab – eben auch der wichtigste Teil von Trumps Wortkrieg gegen den "Islamischen Staat". Ein Teil der Anziehungskraft des IS lag im Mythos einer dunklen Macht, die von allen gefürchtet wird. Trump erklärt die Anhänger des Kalifats nun zu "Verlierern" und feiert auf vulgäre Art und Weise die Tötung ihres Anführers. Die schadenfrohe Pressekonferenz könnte einen Beitrag zur Entzauberung der Terrororganisation leisten und deren angsteinflößende Aura ein wenig schmälern.

Doch damit endet Trumps Triumph auch schon. Al-Bagdadi, der kaum öffentlich in Erscheinung trat, hatte in der ohnehin dezentralen Organisation des "Islamischen Staats" offenbar keine wichtige operative Rolle. Großen Teilen der US-Öffentlichkeit dürfte er zudem unbekannt sein. Während die Bush-Regierung Osama bin Laden über Jahre hinweg zur Rechtfertigung des "Kriegs gegen den Terror" als eine Art popkulturelle Personifizierung des Bösen aufbaute, war Al-Bagdadi eher ein Phantom.

Trumps Syrien-Politik könnte ihn eher schwächen als stärken

Zudem ist die US-Bevölkerung angesichts erheblicher innenpolitischer Probleme desinteressiert an Außen- und Sicherheitspolitik. Laut einer aktuellen Umfrage halten weniger als ein Prozent der Befragten die Situation in Syrien, den IS oder Terrorismus für das größte Problem der USA; Trumps klassische Themen wie Wirtschaft und Immigration sind den Wählern wesentlich wichtiger.

Und nicht nur deshalb dürfte die innenpolitische Ausbeute für den US-Präsidenten gering sein. Während man Obama noch Jahre später als den Mann feierte, der Osama bin Laden zur Strecke brachte, steht Trump vermutlich kein lang anhaltender Triumphzug bevor. Die aktuelle Syrien-Politik des US-Präsidenten könnte mittelfristig eher zur Stärkung als zur Schwächung des "Islamischen Staats" beitragen. Der Truppenabzug aus den Kurdengebieten bleibt ein außenpolitisches Desaster, das dem zumindest territorial besiegten "Islamischen Staat" wieder Aufwind geben könnte; der bewaffnete Konflikt zwischen Kurden und der Türkei destabilisiert die Region. Das könnte der IS nutzen, um wieder an Stärke zu gewinnen.

Deshalb dürfte die Tötung Al-Bagdadis die zahlreichen Kritiker des Truppenabzugs kaum beruhigen – worauf Trump scheinbar aber auch gar nicht abzielt. In seiner Pressekonferenz sagte der Präsident freimütig, die Militäroperation stehe in keinem Zusammenhang mit seiner Entscheidung, US-Soldaten aus Nordsyrien abzuziehen.

Natürlich wird Trump sich noch einige Zeit damit brüsten, Al-Bagdadi ausgeschaltet zu haben. Doch mittelfristig dürfte die Episode eher zu einem weiteren Spiegelstrich in Trumps Wahlkampfreden über die eigenen Erfolge verkümmern. Der Tod des IS-Anführers ist ein Sieg für den US-Präsidenten – aber nur ein kleiner.