Nach dem Willen des Weißen Hauses sollen US-Bundesbehörden künftig nicht mehr die New York Times oder Washington Post beziehen. Als Grund nannte die Sprecherin des Weißen Hauses Kosteneinsparungen. "Die Abonnements über alle Bundesbehörden hinweg nicht zu erneuern, wird eine erhebliche Kostenersparnis für Steuerzahler bedeuten – Hunderttausende Dollar", teilte Stephanie Grisham mit. Zuvor hatte die Washington Post über das Vorhaben berichtet.

Aus Grishams Mitteilung ging allerdings nicht hervor, wie Bundesbehörden dazu gebracht werden sollen, die beiden Zeitungen nicht mehr zu beziehen. Das Wall Street Journal berichtete unter Berufung auf einen US-Regierungsvertreter, das Weiße Haus arbeite daran, eine entsprechende Direktive aufzusetzen. Beschäftigte im Weißen Hauses sagten, die gedruckten Ausgaben der Zeitungen kämen nicht mehr, die Onlinezugänge bestünden weiterhin. Vertreter der beiden Zeitungen wollten sich nicht äußern.  

Jonathan Karl, der Präsident der Assoziation der für das Weiße Haus zuständigen Korrespondenten, sagte: "Ich habe keinen Zweifel, dass die hart arbeitenden Reporter der New York Times und Washington Post weiterhin Qualitätsjournalismus machen werden, egal ob der Präsident zugibt, das zu lesen. So zu tun, die Arbeit der freien Presse zu ignorieren, wird die Nachrichten nicht verschwinden lassen oder Reporter daran hindern, die Öffentlichkeit zu informieren und die Mächtigen zur Rechenschaft zu ziehen."

"Feinde des Volkes"

US-Präsident Donald Trump hatte dem Sender Fox News am Montag gesagt, die New York Times sei eine "Fake-Zeitung", die er nicht mehr im Weißen Haus haben wolle. Vermutlich werde das Weiße Haus den Bezug der New York Times und auch der Washington Post stoppen. Im vergangenen Monat hatte Trump die beiden Zeitungen – die zu den führenden Qualitätsmedien in den USA gehören – als "Feinde des Volkes" bezeichnet.

Beide Zeitungen werden immer wieder zum Ziel von Angriffen des US-Präsidenten. Trump wirft ihnen und anderen Medien, die kritisch über ihn berichten, regelmäßig die Verbreitung von Fake-News vor. Trump wiederum gilt selbst als einer der größten Verbreiter von Fake-News. Nach den Faktencheckern der Washington Post hat Trump in seinen ersten knapp 1.000 Tagen im Amt 13.435 falsche oder irreführende Aussagen getätigt.