Ecuador - "Verschwinde Moreno, verschwinde!" In Quito hat die Polizei Tränengas, Wasserwerfer und Gummigeschosse gegen Protestierende eingesetzt. Die werfen Präsident Lenín Moreno Unfähigkeit und Korruption vor. © Foto: Martin Bernetti/​AFP/​Getty Images

Bei Unruhen in Ecuador haben Protestierende das Parlament in der Hauptstadt Quito gestürmt. Sie drangen bis in den Plenarsaal vor, wurden dann aber von Polizei und Militär zurückgedrängt, wie Fernsehbilder zeigten.

Zunächst hatten maskierte und mit Stöcken bewaffnete Demonstranten Steine vor dem Parlamentsgebäude geworfen, die Polizei setzte daraufhin Tränengas ein. Einigen gelang es dann, die Absperrungen vor dem Gebäude zu durchbrechen. Abgeordnete befanden sich zu diesem Zeitpunkt nicht im Parlament – der Kongress hatte wegen der Unruhe im Land seine Tagungen ausgesetzt. Bereits am Montag war versucht worden, die Nationalversammlung zu stürmen.  

Präsident Moreno hatte angesichts der gewaltsamen Auseinandersetzungen am Montag den Sitz der Regierung von Quito in die Stadt Guayaquil verlegt. Bis zum 1. November ist es jeweils von 20 bis 5 Uhr verboten, sich strategisch wichtigen Gebäuden zu nähern, wie es in einem Dekret des Präsidenten heißt.

Die seit Tagen anhaltenden Massenproteste in dem lateinamerikanischen Land richten sich gegen gestiegene Treibstoffpreise. Der Verkehr in dem Land wird durch Dutzende Straßenblockaden in 21 Provinzen gelähmt. Moreno hatte bereits vergangene Woche für 60 Tage den Ausnahmezustand verhängt. Bei den Protesten gab es nach offiziellen Angaben bislang einen Toten, mehr als 70 Verletzte und rund 570 Festnahmen.

Der Protest wird vor allem von Indigenen getragen. Sie folgten einem Aufruf der Konföderation der Indigenen Völker (Conaie), um in Quito gegen die Treibstoffpreise und die Erdölförderung in ihren Gebieten zu protestieren.