Der frühere FPÖ-Vorsitzende Heinz-Christian Strache lässt seine Parteimitgliedschaft ruhen. Das teilte er in einer persönlichen Stellungnahme zwei Tage nach der Wahlniederlage für seine Partei mit. Er werde darüber hinaus "jegliche politische Aktivität einstellen und kein Amt mehr anstreben", um eine Spaltung der FPÖ zu verhindern, sagte der frühere Parteivorsitzende. Strache war im Mai wegen der sogenannten Ibiza-Affäre zurückgetreten. 

Die Rechtspopulisten wollten an diesem Montag in ihren Parteigremien darüber beraten, ob der 50-Jährige nach den Skandalen der vergangenen Monate aus der Partei ausgeschlossen werden sollte. Der Entscheidung darüber kam Strache nun zuvor. 

Auslöser für die vorzeitige Wahl in Österreich war ein von Medien veröffentlichtes Ibiza-Video von 2017, das Strache anfällig für Korruption erscheinen lässt. Eine Woche vor der Wahl geriet die Partei zudem in eine Spesenaffäre: Die Staatsanwaltschaft Wien ermittelt gegen Strache, weil er möglicherweise Spesen falsch abgerechnet und Parteigelder veruntreut hat.

Strache bestritt auf der Pressekonferenz die Vorwürfe gegen ihn vehement. Er sprach von "Verleumdungen" und aus der "feigen Verborgenheit anonym" gegen ihn erhobenen Vorwürfen.

"Schuld an der Misere hast du"

Die Rechtspopulisten bekamen bei der Wahl am Sonntag nur noch 16,2 Prozent der Stimmen, ein Minus von fast 10 Prozentpunkten im Vergleich zur Wahl 2017. Die FPÖ-Spitzen deuteten am Wahlabend an, dass sie die Partei künftig auf der Oppositionsbank sehen.

Zahlreiche vom FPÖ-Ergebnis enttäuschte Wähler kritisierten Strache am Sonntag und Montag auf dessen Facebook-Seite und sahen in ihm den Schuldigen für das Wahldesaster. "Lieber Heinz, Schuld an der Misere hast du und der Gudenus", schrieb dort ein Nutzer. Ein anderer versuchte es mit Sarkasmus: "Super, Herr Strache – das heute war Ihr Verdienst. Gut gemacht, wirklich."

Neben der FPÖ treffen sich auch die Gremien von ÖVP und Grünen, um über das Wahlergebnis und seine Folgen zu beraten. Die beiden Parteien sind mit 37,5 Prozent und 13,8 Prozent der Stimmen die klaren Wahlsieger und könnten in den kommenden Wochen ein Regierungsbündnis schmieden.