Der Friedensnobelpreis 2019 geht an den Ministerpräsidenten von Äthiopien, Abiy Ahmed Ali. Das gab das Nobelkomitee in Oslo bekannt. Damit soll vor allem der Friedensschluss mit dem Nachbarland Eritrea gewürdigt werden. Im Juli 2018 hatten Äthiopien und Eritrea einen Friedensvertrag unterzeichnet, der den 20 Jahre dauernden Streit zwischen den Ländern beendete.

Eritrea gehörte bis zu seiner Unabhängigkeit 1993 zu Äthiopien. Fünf Jahre später brach ein Krieg zwischen den beiden Staaten aus, in dem Zehntausende Menschen ums Leben kamen. Mit dem sogenannten Abkommen von Algier wurde im Jahr 2000 der Krieg zwar beendet, die beiden Länder blieben aber zunächst weiter verfeindet. Seitdem haben die Staaten zwar wenig Fortschritt gemacht: Kaum Gespräche wurden geführt, große Streitpunkte sind noch immer offen. Doch die Symbolkraft des Friedensschlusses in den Ländern und der Region war enorm.

Als Abiy im April 2018 in Äthiopien an die Macht kam, rechneten nur wenige mit einem Umbruch. Der Vielvölkerstaat wurde jahrelang autoritär geführt, die Macht wurde von einer einzigen ethnischen Minderheit dominiert. Oppositionsarbeit und Pressefreiheit waren eingeschränkt. Demonstrationen von Gruppen, die sich marginalisiert fühlten, wurden mit Gewalt unterdrückt. Abiy ließ politische Gefangene frei, beendete einen Ausnahmezustand, strich Oppositionsgruppen von der Terrorliste und liberalisierte die Wirtschaft.

Aufmerksamkeit erreichte der Äthiopier im Sommer zudem damit, dass er in seinem Land 354 Millionen Bäume pflanzen ließ. Die Aufforstung soll Verwüstung und Klimawandel entgegen wirken.

Maas würdigt den Nobelpreisträger

Der 1976 in Beshasha in Zentral-Äthiopien geborene Politiker diente bei den Streitkräften und war unter anderem Teil der UN-Friedensmission in Ruanda. Später gründete er mit anderen einen Online-Nachrichtendienst. Daraufhin machte er Karriere in der Demokratischen Organisation des Oromovolkes (OPDO), die der regierenden Koalitionspartei angehört.

Dennoch ist der 43-Jährige umstritten: Im Sommer dieses Jahres scheiterte ein Putschversuch gegen seine Regierung; Soldaten griffen eine Regionalversammlung an und bei einem Attentat wurde der Heereschef getötet. Im Juni 2018 wurde auf Abiy selbst eine Handgranate geworfen, auch bei dem Vorfall gab es Tote und Verletzte.

Außenminister Heiko Maas (SPD) hat den Friedensnobelpreisträger als "herausragende Führungspersönlichkeit Afrikas" gewürdigt. Sein Mut und seine Weitsicht seien "Beispiel und Vorbild weit über Afrika hinaus", erklärte Maas auf Twitter.

Insgesamt waren nach Angaben des Komitees in diesem Jahr 223 Persönlichkeiten und 78 Organisationen nominiert. Der Preis, der in diesem Jahr zum 100. Mal verliehen wird, ist mit neun Millionen schwedischen Kronen (rund 830.000 Euro) dotiert. Er wird als einziger der fünf Nobelpreise nicht in Stockholm, sondern in Oslo vergeben. Dort findet die Verleihung am 10. Dezember, dem Todestag von Preisstifter Alfred Nobel (1833–1896), statt.

Damit stehen die Nobelpreisträger in den Kategorien Medizin, Physik, Chemie, Literatur und Frieden fest. Am Montag folgt abschließend die Bekanntgabe des Wirtschaftsnobelpreises, der als einziger nicht auf das Testament des schwedischen Preisstifters zurückgeht.