Die Regierung von US-Präsident Donald Trump hat dem US-Botschafter bei der EU, Gordon Sondland, eine Aussage zur Ukraine-Affäre im Kongress untersagt. Sondland sei "tief enttäuscht" darüber, dass das US-Außenministerium ihm die für diesen Dienstag geplante Aussage verwehrt habe, teilte Sondlands Anwalt Robert Luskin mit.

In den vergangenen Tagen hatten sich das Weiße Haus und das Außenministerium bereits geweigert, Unterlagen zur Ukraine-Affäre an die zuständigen Ausschüsse des Repräsentantenhauses herauszugeben. Sondland hatte sich jedoch zu einer freiwilligen Aussage in der Kongresskammer bereit erklärt. Zu den Gründen für die Absage des Termins durch das State Department äußerte sich Sondlands Anwalt nicht konkret. Laut Luskin will Sondland aber nach Möglichkeit zu einem späteren Zeitpunkt aussagen. Der Botschafter hoffe, dass die vom Außenministerium genannten "Angelegenheiten", die eine Aussage zum jetzigen Zeitpunkt verhinderten, "bald gelöst" werden könnten.

Trump twitterte, er würde Sondland sehr gerne aussagen lassen, aber "unglücklicherweise würde er vor einem total kompromittierten Scheingericht aussagen, wo die Rechte von Republikanern nicht gelten und echte Fakten nicht an die Öffentlichkeit gelangen".

Der US-Botschafter bei der EU, Gordon Sondland, sei ein "zentraler Zeuge" bei der Aufklärung der Vorwürfe gegen US-Präsident Donald Trump, sagte der Vorsitzende des Geheimdienstausschusses, der Demokrat Adam Schiff. Das Außenministerium halte auch Textnachrichten oder E-Mails Sondlands zurück. Die Verweigerung der Aussage und der Dokumente werde "als weiterer starker Beweis für die Behinderung der verfassungsmäßigen Aufgaben des Kongresses" gewertet.

Sondland auch weiterhin zu kurzfristiger Aussage bereit

In der parlamentarischen Untersuchung geht es um Trumps Bestrebungen, sich aus der Ukraine möglicherweise kompromittierendes Material über seinen innenpolitischen Rivalen Joe Biden zu beschaffen. Sondland war an diesen Bestrebungen beteiligt, wie in der vergangenen Woche veröffentlichte Textnachrichten dokumentieren. Er kommunizierte darüber mit dem inzwischen zurückgetretenen Ukraine-Sondergesandten Kurt Volker und dem US-Geschäftsträger in Kiew, Bill Taylor.

Sondlands Anwalt erklärte nun, der Botschafter sei überzeugt, "jederzeit im besten Interesse der Vereinigten Staaten" gehandelt zu haben. Er sei vor der Absage seiner Aussage bereits aus Brüssel nach Washington gereist, um im Repräsentantenhaus zu erscheinen. Der Botschafter sei weiterhin bereit, dort auch zu einem kurzfristig angesetzten Termin auszusagen. Die Fragen des Ausschusses wolle er "vollständig und wahrheitsgemäß" beantworten.

Die Demokraten beschuldigen Trump, durch seine Bemühungen um ukrainisches Material über den demokratischen Präsidentschaftsbewerber und früheren Vizepräsidenten Biden sein Amt missbraucht zu haben. Biden führt seit Monaten die Umfragen zu den Anwärtern auf die Kandidatur gegen Trump bei der Wahl im November 2020 an.

Trump verdächtigt Biden und dessen Sohn, in Korruptionsvorgänge verwickelt gewesen zu sein, kann das bisher aber nicht belegen. Demnach soll Biden als Vizepräsident seinen Sohn vor ukrainischen Korruptionsermittlungen geschützt haben, indem er die Absetzung des damaligen ukrainischen Generalstaatsanwalts betrieb.

Bidens Sohn Hunter saß jahrelang im Verwaltungsrat einer ukrainischen Gasfirma. Die ukrainische Justiz hat Hunter Biden aber nie unter Korruptionsverdacht gestellt. Die Absetzung des Generalstaatsanwalts Viktor Schokin erfolgte nicht nur auf Drängen Bidens, sondern auch anderer europäischer Regierungen und des Internationalen Währungsfonds (IWF) – mit der Begründung, dass dieser nicht entschlossen genug gegen die Korruption vorgegangen sei.