Nach der israelischen Parlamentswahl im September ist eine Regierungsbildung durch Ministerpräsident Benjamin Netanjahu gescheitert. Ein entsprechendes Mandat gab er an Staatspräsident Re'uwen Riwlin zurück. Riwlin kündigte Medienberichten zufolge an, er wolle nun Benny Gantz vom Mittebündnis Blau-Weiß den Auftrag zur Regierungsbildung erteilen. Sollte Gantz ebenfalls keine Regierung formen, könnten die Israelis zum dritten Mal in weniger als einem Jahr zur Wahl aufgerufen sein.

Netanjahu und Gantz hatten sich bereits in den vergangenen Wochen gegenseitig für die Schwierigkeiten bei der Regierungsbildung verantwortlich gemacht. Seine Partei werde nicht in einer Regierung sitzen, "deren Vorsitzender sich einer schwerwiegenden Anklage stellen muss", sagte Gantz. Netanjahu droht eine Anklage in drei Korruptionsfällen.

Bei der Parlamentswahl am 17. September war Blau-Weiß nach dem amtlichen Endergebnis mit 33 Mandaten stärkste Kraft geworden. Netanjahus Likud-Partei erhielt 32 Sitze. Bislang verfügt keines der beiden Lager über eine Mehrheit in der 120 Sitze zählenden Knesset. Direkt nach der Wahl hatte Netanjahu einen Block mit den rechten und religiösen Parteien gebildet. Er besteht darauf, diese in ein Regierungsbündnis aufzunehmen. Gantz strebt jedoch eine säkulare große Koalition an.

Riwlin hatte vorgeschlagen, dass Gantz und Netanjahu sich die Regierung gleichberechtigt aufteilen und beide gleichwertige Partner sein könnten. So könnte es zum Beispiel einen Vize-Ministerpräsidenten geben, der den Ministerpräsidenten jederzeit mit vollen Rechten vertreten kann.