Zwischen Israel und Jordanien gibt es erneut diplomatische Spannungen. Die jordanische Regierung hat ihren Botschafter zurückgerufen, um gegen die Inhaftierung zweier Jordanier in Israel zu protestieren. Gleichzeitig wird in Jordanien ein israelischer Staatsbürger festgehalten, der am Dienstag illegal die Grenze nach Jordanien überquert haben soll.

Jordaniens Außenminister Aiman al-Safadi forderte die sofortige Freilassung der jordanischen Staatsbürgerinnen und -bürger Hiba al-Labadi und Abdul Rahman Miri, die seit Monaten ohne offizielle Anklage in Israel festgehalten werden. "Wir haben entschieden, unseren Botschafter in Tel Aviv als ersten Schritt zu Konsultationen zurückzurufen", sagte Al-Safadi. Das israelische Außenministerium äußerte sich zunächst nicht.

Al-Labadi war nach Medienberichten im August an der israelisch-jordanischen Grenze festgenommen worden, als sie zu einer Familienfeier im Westjordanland reisen wollte. Die Frau mit palästinensischen Wurzeln ist seit mehr als einem Monat im Hungerstreik und wurde bereits in ein Krankenhaus gebracht.

Inhaftierte Jordanier sollen Kontakt mit der Hisbollah haben

Ein Sprecher des israelischen Inlandsgeheimdienstes Schin Bet sagte, die beiden Jordanier seien im August festgenommen worden, weil man sie "schwerwiegender Sicherheitsvergehen" verdächtige. Nach Medienberichten wird Al-Labadi vom Geheimdienst Kontakt mit der libanesischen Hisbollah-Miliz vorgeworfen. Demnach habe sie beabsichtigt, im Westjordanland Agenten für die Israel feindlich gesinnte Organisation zu rekrutieren.

Al-Labadi selbst weist die Vorwürfe zurück. Ihr Anwalt sagte der israelischen Zeitung Haaretz, dass sie während eines Besuchs bei ihrer Schwester in der libanesischen Hauptstadt Beirut lediglich einen Moderator eines der Hisbollah zugerechneten Rundfunksenders getroffen habe.

Israel und Jordanien haben vor 25 Jahren einen Friedensvertrag unterzeichnet. Trotzdem kommt es immer wieder zu diplomatischen Spannungen zwischen den beiden Ländern. Im Sommer 2017 hatte ein israelischer Wachmann nach einem Angriff zwei Jordanier auf dem Botschaftsgelände in Amman erschossen. Israel schloss daraufhin die Botschaft und zog seine Botschafterin ab. Im vergangenen Jahr wurde die Krise beigelegt.