Wegen der befürchteten Offensive der türkischen Regierung im Nordosten Syriens hat die kurdische Autonomieverwaltung die Zivilbevölkerung zur Generalmobilmachung aufgerufen. "Wir erklären drei Tage der Generalmobilmachung im Norden und Osten Syriens", teilte die Autonomieverwaltung mit. Sie rief alle Zivilistinnen und Zivilisten auf, sich "an die Grenze zur Türkei zu begeben, (...) um in diesem heiklen historischen Moment Widerstand zu leisten".

Die Autonomieverwaltung rief zudem Kurdinnen und Kurden weltweit dazu auf, gegen die Pläne der Türkei demonstrieren zu gehen. Der Einmarsch in Syrien werde in Kürze stattfinden, schrieb der türkische Kommunikationsdirektor Fahrettin Altun in einem Meinungsbeitrag in der Washington Post. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan hatte gesagt, türkische Truppen stünden bereit, "heute oder morgen" gegen die kurdische Miliz YPG vorzugehen. Diese hatte entscheidenden Anteil am von den USA unterstützten Kampf und Sieg gegen die Terrormiliz IS.

Die türkische Regierung sowie mit der Türkei verbündete syrischen Rebellen verlegten ihre Truppen in das betroffene Gebiet. Die Offensive soll sich gegen kurdische Truppen östlich des Flusses Euphrat richten. Die Kurdenmiliz YPG kontrolliert dort ein großes Gebiet an der Grenze zur Türkei. Dennoch ist weiterhin unklar, ob es tatsächlich bald zu einem Einmarsch in Nordsyrien kommt, da US-Präsident Donald Trump widersprüchliche Signale hinsichtlich einer türkischen Invasion sendet.

Der Nordosten Syriens wird seit Jahren von der kurdischen Partei der Demokratischen Union (PYD) und ihrem militärischen Arm, den Volksverteidigungseinheiten (YPG), kontrolliert. Erdoğan betrachtet die YPG als Verbündeten von kurdischen Untergrundkämpfern in der Türkei und deswegen als terroristische Organisation.

Die USA schätzen die YPG als Verbündeten im Kampf gegen die Dschihadistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) und unterstützen sie seit Jahren mit Waffen und Spezialkräften. Nach einem Telefonat mit dem türkischen Präsidenten Erdoğan hatte Trump am Sonntag angekündigt, die US-Spezialkräfte aus dem Gebiet an der türkischen Grenze abzuziehen. Dies löste Kritik auch in Trumps republikanischer Partei aus.