US-Präsident Donald Trump verteidigt seine Entscheidung, US-Soldaten aus syrischen Kurdengebieten abzuziehen und die Kurden nicht in ihrem Konflikt mit der Türkei zu unterstützen. Die USA seien vielleicht dabei, Syrien zu verlassen, "aber wir haben die Kurden, die besondere Menschen und wunderbare Kämpfer sind, in keiner Weise im Stich gelassen", twitterte Trump. Den Kurden werde weiter mit Waffen und Geld geholfen, schrieb Trump.

Das Weiße Haus hatte zuvor angekündigt, dass vor der geplanten Offensive der Türkei – die sich gegen die Kurden richtet – US-Soldaten aus Nordsyrien abgezogen werden. Das hatten auch Vertreter aus Trumps politischem Lager scharf kritisiert. Ein ranghoher Regierungsbeamter hatte am Montag aber gesagt, es würden lediglich etwa 50 Soldaten aus dem Grenzgebiet zwischen der Türkei und Syrien an andere Militärstandorte verlegt. "Das bedeutet keinen Abzug aus Syrien." Es gehe lediglich um den Schutz einer "vergleichsweise kleinen Zahl" von US-Soldaten. Auch Trump sprach in seinem Tweet von 50 Soldaten.

Die YPG-Kurdenmilizen waren im Kampf gegen die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) ein enger Verbündeter der USA. Die Türkei aber sieht in der YPG, die an der türkisch-syrischen Grenze Gebiete beherrscht, eine Terrororganisation. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan hat am Montag gesagt, die Militäroffensive auf das von den Kurden kontrollierte Gebiet könne jederzeit beginnen. Das Militär verlegte weitere Soldaten und gepanzerte Fahrzeuge an die Grenze in die Provinzen Şanlıurfa und Kilis, wie die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu meldete. 

Trump warnte die Türkei erneut, dass jede "ungezwungene oder unnötige" Kampfhandlung der Türkei für die Wirtschaft und der Währung" des Landes "verheerend" wäre. Zugleich lobte der Republikaner die Türkei als Handelspartner und Nato-Mitglied und lud den türkischen Präsidenten Erdogan für den 13. November ins Weiße Haus ein. Der Türkische Vizepräsident Fuat Oktay äußerte sich davon unbeeindruckt. Die Türkei kündigte an, trotzdem an ihrer geplanten Militärintervention im Nordosten von Syrien festzuhalten. "Wenn es um die Sicherheit der Türkei geht, entscheiden wir unseren eigenen Weg", sagte Oktay.

Internationale Warnungen vor Einmarsch der Türkei

Trump verfolgt seit Monaten einen wechselnden Kurs in der Syrien- und Türkeipolitik: Im Dezember hatte er angekündigt, die 2.000 amerikanischen Soldaten aus dem Bürgerkriegsland abzuziehen. Im Februar kündigte die Regierung an, um die Sicherheit in den Kurdengebieten zu stabilisieren, sollten mehrere Hundert Soldaten bleiben.

Die syrische Regierung warnte die Türkei vor einem Einmarsch in die Kurdengebiete und rief die Kurden auf, zurück an die Seite der Regierung in Damaskus zu kommen. Auch zahlreiche weitere Regierungen, darunter die Bundesregierung, und internationale Organisationen hatten die Türkei dringend vor einer Militäroffensive im Norden Syriens gewarnt. Dem schloss sich auch der iranische Außenminister Mohammed Dschawad Sarif an.

Der Status der Kurdengebiete ist fragil: Nachdem sich die syrische Armee im Zuge des Krieges größtenteils aus dem Nordosten des Landes zurückgezogen hatte, hatten vielerorts kurdische Kräfte die Kontrolle übernommen und hatten schon 2014 eine Selbstverwaltung in den Gebieten errichtet. International werden die Autonomiebestrebungen nicht anerkannt, in vielen Orten im Nordosten Syriens hat die Regierung von Präsident Baschar al-Assad de facto aber keine Macht.