Die bewaffneten Kurden haben nach russischen Angaben insgesamt 34.000 Menschen aus der Pufferzone im Norden Syriens abgezogen. Nach Ablauf einer Frist zum Abzug der Kurdenmiliz YPG aus dem nordsyrischen Grenzgebiet hat die Türkei den Beginn gemeinsamer Patrouillen mit Russland angekündigt. Der türkische Kommunikationsdirektor Fahrettin Altun schrieb am Dienstagabend auf Twitter, mit den gemeinsamen Patrouillen solle sichergestellt werden, dass tatsächlich alle "Terroristen" aus der "Sicherheitszone" abgezogen seien.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan hatte vor einer Woche mit Russlands Staatschef Wladimir Putin vereinbart, dass die russische Militärpolizei in Abstimmung mit der syrischen Armee für den Abzug der kurdischen Volksverteidigungseinheiten YPG sorgen solle.

Die Türkei hatte am 9. Oktober eine Offensive gegen die syrische Kurdenmiliz begonnen, deren Präsenz an der Grenze sie wegen ihrer engen Verbindungen zu den kurdischen PKK-Rebellen als Bedrohung sieht. Zeitgleich hatte die US-Regierung ihre Truppen aus den nordsyrischen Kurdengebieten abgezogen und ihre einstigen Verbündeten nach Auffassung von Experten schutzlos zurückgelassen. Die Kurden in der Autonomieregion riefen daraufhin die syrische Armee zu Hilfe, die von Machthaber Baschar al-Assad darauf an die türkische Grenze entsandt wurde.

Nach acht Tagen stimmte die Türkei in Verhandlungen mit den USA einer Waffenruhe zu, um den Abzug der YPG-Kämpfer von der Grenze zu erlauben. Sechs Tage später vereinbarte Erdogan mit Putin die Verlängerung der Feuerpause.

Erstmals Gefechte zwischen Türkei und Syrien

Gemäß der Vereinbarung von Sotschi behält die Türkei die direkte Kontrolle über einen 120 Kilometer langen und 30 Kilometer breiten Grenzabschnitt zwischen Ras al-Ain und Tal Abjad, den sie erobert hat. Das Grenzgebiet östlich und westlich davon soll nach dem Abzug der YPG von der russischen Militärpolizei und der syrischen Armee kontrolliert werden. In einem zehn Kilometer breiten Streifen soll es russisch-türkische Patrouillen geben.

Kurz vor Ablauf der Waffenruhe hatte es in der Region erstmals auch direkte Gefechte zwischen der türkischen Armee und syrischen Regierungstruppen gegeben. Nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte wurden bei den Kämpfen nahe der türkischen Grenze sechs syrische Soldaten getötet – fünf durch türkischen Artilleriebeschuss südlich der Grenzstadt Ras al-Ain, ein Sechster sei im Zuge des Gefechts von protürkischen Milizen "hingerichtet" worden.

Die Angaben der oppositionsnahen Organisation in Großbritannien, die ihre Informationen von Aktivisten vor Ort bezieht, lassen sich unabhängig kaum nachprüfen. Von offizieller Seite gab es dazu keine Stellungnahme. Allerdings wollte sich Präsident Recep Tayyip Erdoğan später öffentlich äußern; erwartet wird eine Rede zum türkischen Tag der Republik in Ankara.

Syrische Regierung und Opposition starten erste direkte Verhandlungen

Die Türkei unterstützt seit Jahren die syrischen Rebellen im Kampf gegen Machthaber Baschar al-Assad und unterhält keinen Kontakt zu seiner Regierung. Zuletzt wurde die türkische Armee von verbündeten syrischen Rebellenmilizen unterstützt. Laut der Beobachtungsstelle sind die Kämpfe nahe Ras al-Ain die ersten direkten Gefechte zwischen Soldaten der Türkei und Syriens seit dem Start der türkischen Offensive im Norden Syriens.

Nach mehr als acht Jahren Bürgerkrieg in Syrien setzen sich Regierung und Opposition ab Mittwoch erstmals an einen Verhandlungstisch. Gemeinsam mit Vertretern der Zivilgesellschaft und mit Unterstützung der Vereinten Nationen wollen beide Seiten in Genf eine neue Verfassung ausarbeiten. Der Verfassungsausschuss startet mit je 50 Vertretern von Regierung, Opposition und Zivilgesellschaft. Ziel ist ein Referendum über die Verfassung, gefolgt von freien Wahlen unter UN-Aufsicht. Die Erfolgserwartungen sind aber gering. Alle bisherigen Syrien-Gespräche über ein Ende der Gewalt sind ohne Ergebnis geblieben.