Präsident Lenín Moreno hat die Regierungsgeschäfte wegen der angespannten Lage aus der ecuadorianischen Hauptstadt Quito nach Guayaquil verlegt. Anlass sind gewaltsam verlaufende Proteste, in erster Linie gegen die Erhöhung der Spritpreise im Land.

Die Konföderation der Indigenen Völker (Conaie) hat zu einem großen Marsch nach Quito aufgerufen. In der ecuadorianischen Hauptstadt werden am Dienstag rund 20.000 Demonstranten indigener Völker erwartet, die gegen die Erhöhung der Treibstoffpreise und die Erdölförderung in ihren Gebieten protestieren. Der Indigenen-Verband Conaie kritisierte die Regierung und warf den Sicherheitskräften ein brutales Vorgehen vor. Conaie-Chef Jaime Vargas sagte CNN, der Streik werde so lange fortgesetzt, bis die Regierung die umstrittenen Maßnahmen zurücknehme. Das lehnte Moreno am Abend ab.

Die Unruhen hatten sich in der vergangenen Woche an der Entscheidung der Regierung Moreno entzündet, die hohen Subventionen für Benzin und Diesel mit sofortiger Wirkung zu streichen. Als Folge stiegen die Preise deutlich; das Transportgewerbe begann einen Streik. Moreno hatte die Subventionen gestrichen, weil die Weltbank im Gegenzug für einen Kredit von 4,2 Milliarden Euro die Senkung öffentlicher Ausgaben erwartet.

Erste Gruppen drangen bereits am Montagabend in Quito ein. Der Regierungssitz musste vorübergehend evakuiert werden. Journalisten posteten Bilder von Stacheldraht und Sicherheitskräften vor dem Gebäude. Die Demonstranten sollen ein gepanzertes Gefährt der Sicherheitskräfte in Brand gesetzt haben, wie Fernsehbilder zeigten. Auch ein Polizeirevier wurde nach Angaben des Innenministeriums in Brand gesetzt. Zudem umringten die Demonstranten in Quito das Kongressgebäude. In der Provinz Cotopaxi, im Zentrum Ecuadors, wurden eine Molkerei und 17 Blumengärtnereien geplündert.

Regierungsgegner veröffentlichten ein Video, auf dem zu sehen sein soll, wie drei Demonstranten von der Polizei eine Brücke heruntergeworfen werden. Später allerdings tauchte ein anderes Video auf, in dem ein Augenzeuge schildert, die Demonstranten seien bei der Flucht vor der Polizei von der Brücke gefallen und hätten sich dabei schwer verletzt. Andere Clips zeigen Polizeibeamte, die mit Knüppeln auf Demonstranten einschlagen.

Der Unterricht wurde an allen Schulen Ecuadors für Dienstag ausgesetzt. Die Regierung hat für 60 Tage den Ausnahmezustand verhängt. Das Verfassungsgericht billigte am Montag den Ausnahmezustand, befristete ihn aber auf 30 Tage.

Protestmarsch von Indigenen

In einer TV-Ansprache in Beisein von Militärs hatte Präsident Moreno am Montagabend schwere Vorwürfe gegen seinen Amtsvorgänger Rafael Correa und Venezuelas Präsident Nicolás Maduro erhoben; sie hätten die gewaltsamen Proteste organisiert sowie finanziert und planten einen Putsch. Correa lebt inzwischen in Belgien, dem Heimatland seiner Frau. Er nannte Moreno einen Faschisten und forderte eine Neuwahl. Der Ex-Präsident (2007–2017) gilt mit 3,5 Millionen Followern bei Twitter immer noch als einer der einflussreichsten Politiker in Ecuador. 

Vargas wies Morenos Vorwürfe zurück, die Demonstrationen seien aus dem Ausland finanziert. "Wir unterstützen uns selbst", so Vargas. Die Demonstranten würden von der indigenen Bevölkerung unterstützt.