Die russische Polizei hat erneut Dutzende Büros von Mitarbeitern des Regierungskritikers Alexej Nawalny durchsucht. Die Beamten hätten am Dienstagmorgen mindestens 30 Adressen aufgesucht, schrieb der Oppositionspolitiker beim Kurznachrichtendienst Twitter. Es sei bereits die "dritte Welle von Durchsuchungen" gewesen. "Das russische Strafverfolgungssystem nutzt all seine Kräfte, um korrupte Beamte und Bestechungsempfänger zu schützen", schrieb Nawalny. Dem Bürgerportal OWD-Info zufolge gab es Razzien in mindestens 20 Städten, darunter Moskau, Jekaterinburg, Krasnodar im Süden und Wladiwostok im Osten des Landes an der Grenze zu China. Der Direktor von Nawalnys Stiftung, Iwan Schdanow, sagte dagegen, die Durchsuchungen hätten in 15 russischen Städten stattgefunden.

Die Polizei war erst vor einem Monat im großen Stil gegen Nawalnys Anhänger vorgegangen – kurz nach der Regionalwahl. Der Oppositionspolitiker und sein Team hatten wegen des Ausschlusses von Oppositionellen bei der Abstimmung in Moskau zu Protesten aufgerufen. Zudem warb Nawalny für eine "smarte Stimmabgabe", bei der die Bürger alle wählen sollten – nur nicht die Kandidaten der Kremlpartei.

Als offiziellen Grund für die Polizeiaktion nannten die Behörden Ermittlungen wegen angeblicher Geldwäsche. Im Visier haben sie den sogenannten Fonds zur Bekämpfung von Korruption des Regierungskritikers. Das staatliche Ermittlungskomitee teilte mit, die Durchsuchungen stünden im Zusammenhang mit diesen Ermittlungen. Es seien für die Untersuchung relevante Dokumente und Gegenstände beschlagnahmt worden. Die Ermittlungen seien noch nicht beendet. Den Angaben nach soll es dabei um eine Summe von einer Milliarde Rubel (13,7 Millionen Euro) gehen. Nawalny wies die Vorwürfe als absurd zurück. 

In der vergangenen Woche hatte die russische Regierung Nawalnys Antikorruptionsstiftung als "Agenten des Auslands" eingestuft. Diese Bewertung ermöglicht der Regierung eine schärfere Überwachung der Stiftung. Nawalny teilte mit, die Entscheidung des Justizministeriums gehe "offensichtlich auf einen direkten Befehl" von Präsident Wladimir Putin zurück. Er bezeichnete die Aktionen gegen ihn, seine Organisation und inhaftierte Mitstreiter als Teil einer Kampagne, um die Aktivitäten der Opposition gegen die Regierung zu unterdrücken.

Die Stiftung hatte immer wieder zu Korruptionsfällen bekannter Politiker recherchiert, unter anderem hatte sie auch über Regierungschef Dmitri Medwedew berichtet. Neue Enthüllungen richteten sich gegen die Moskauer Stadtführung.