Nach dem Scheitern seiner ursprünglichen EU-Kommissionskandidatin Sylvie Goulard hat Frankreichs Präsident Emmanuel Macron einen neuen Vorschlag für die EU-Kommission. Wie der Élysée-Palast mitteilte, soll der frühere Finanzminister und heutige Manager Thierry Breton EU-Kommissar für Industrie und Binnenmarkt werden. 

Ursprünglich sollte dies die frühere Verteidigungsministerin Goulard werden. Sie fiel jedoch bei der Abstimmung in den zuständigen EU-Parlamentsausschüssen durch. Gegen die 54-Jährige laufen Ermittlungen in einer Affäre um eine Scheinbeschäftigung. Für das Debakel machte Macron die künftige Kommissionspräsidentin von der Leyen verantwortlich. Sie habe auf die Personalie bestanden, hieß es seitens des Präsidenten. Auf dem für Goulard vorgesehenen Ressort Industrie und Binnenmarkt besteht Macron indes.

Den Posten übernehmen soll nun der Informatiker Breton. Der heute 64-Jährige machte sich einst als Chef von France Télécom einen Namen: Er ist für die umfassende Sanierung und Privatisierung des Unternehmens verantwortlich. Kurz darauf arbeitete er im Kabinett des damaligen Präsidenten Jacques Chirac von 2005 bis 2007 als Minister für Wirtschaft, Finanzen und Industrie. Danach war er Geschäftsführer großer Industrieunternehmen, darunter Thomson und zuletzt des internationalen Technologieunternehmens Atos.

Breton lehrte an zahlreichen Universitäten, darunter auch an der Harvard Business School. Sein Fachgebiet dort: "Leadership and Corporate Accountability".

Der gebürtige Pariser habe sich einen Ruf als "Mann der Tat" erworben, der die Industrie ganz genau kenne, heißt es in der Mitteilung des französischen Präsidialamts. Er verfüge über "fundierte Kompetenzen", die für sein künftiges Ressort relevant sind. Zugleich seien ihm die EU-Institutionen vertraut.