Die Türkei hält es nach eigenen Angaben derzeit nicht für notwendig, ihre Militäroffensive in Nordsyrien wieder aufzunehmen. Das türkische Verteidigungsministerium erklärte, "zum jetzigen Zeitpunkt" sei eine "neue Operation" nicht nötig. Die USA hätten die Türkei zum Ende der fünftägigen Feuerpause darüber informiert, dass alle kurdischen Kämpfer sich aus der geplanten Sicherheitszone zurückgezogen hätten.

US-Vizepräsident Mike Pence und der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan hatten am vergangenen Donnerstag in Ankara vereinbart, dass die Türkei eine fünftägige Feuerpause einhält. Diese Waffenruhe sollte den Kämpfern der kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG) ermöglichen, sich vor der türkischen Armee zurückzuziehen. Die Feuerpause lief am Dienstagabend aus. 

Am Dienstagabend einigten sich zudem Russland und die Türkei über einen weiteren Abzug der YPG aus Grenzgebieten. Dieser soll innerhalb von rund sechs Tagen abgeschlossen sein. Danach soll es gemeinsame Patrouillen an dem mehr als 440 Kilometer langen türkisch-syrischen Grenzstreifen geben.

UN-Angaben zufolge sind seit Beginn der Militäroffensive vor knapp zwei Wochen mehr als 176.000 Menschen vertrieben worden. Darunter seien fast 80.000 Kinder, teilte UN-Sprecher Stéphane Dujarric mit. In der Region sei zudem wichtige Infrastruktur beschädigt worden. So seien durch Schäden an Stromleitungen mindestens vier medizinische Einrichtungen in ihrer Arbeit eingeschränkt.   

Zudem seien russischen Angaben zufolge rund 500 mutmaßlich militante Kämpfer aus Gefängnissen in der Region geflohen. Es seien Maßnahmen eingeleitet worden, um sie zu fangen, sagte der russische Verteidigungsminister Sergej Schoigu. Syrisch-kurdische Kräfte hielten Tausende Kämpfer der Terrormiliz "Islamischer Staat" in Haftlagern in der Region fest. Im Zuge der Kämpfe gegen die Türkei zogen sie ihre Kämpfer jedoch von den Gefängnissen ab und setzten sie zur Verteidigung gegen die Militäroffensive ein.